Bing: Gefährlicher Konkurrent für Google?

Bing ist nach Google die Suchmaschine mit den größten Marktanteilen. Zwar dominiert Google das Feld mit über 90% noch immer deutlich, doch immerhin hat Bing in den vergangenen Jahren aufholen können und liegt mit Stand Februar 2013 bei 2,3%.

Diese Entwicklung von Bing hin zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für Google begann mit dem Beginn der Beta-Phase im Jahr 2009. Von den USA ausgehend, wurden die Funktionen der Suchmaschine stetig ausgebaut und in immer mehr Ländern ausgerollt, wobei auch heute noch Bing Vereinigte Staaten (Englisch) die umfangreichste Version darstellt. Die Beta-Phase dauerte offiziell bis ins Jahr 2012 an, während das Spektrum erweitert und unter anderem das hauseigene Werbe-Netzwerk Bing Ads geschaffen wurde, welches die Monetarisierung von Suchergebnissen nach dem Vorbild von Google AdWords erlaubt. Bereits seit dem Gründungsjahr 2009 kooperiert Bing mit Yahoo, so dass auch Yahoos Werbenetzwerk im Rahmen von Bing Ads genutzt werden kann.

Deutsche Startseite der Bing-Suche

Die deutsche Startseite der Bing-Suche

Bing Ads: Unternehmen direkt über Skype anrufen

Auch bezüglich der Funktionen der Suche holt Bing insbesondere in letzter Zeit kräftig auf. Die jüngste Funktionserweiterung besteht in den so genannten Call Extensions: Als Bestandteil einer Anzeige in den Bing-Suchergebnissen können Telefonnummern angezeigt werden, die direkt mit Skype angerufen werden können. Eine einleuchtende Kooperation, schließlich ist Skype, ebenso wie Bing, ein Microsoft-Dienst.

 

Bing erläutert auf seinen Hilfe-Seiten zu den Bing Ads:

“You typically use Location Extensions to provide an address and local phone number associated with a local location. Using Call Extensions, you can provide a phone number that is not associated with a particular location, but is appropriate for all locations where your ads display.
Call Extensions have the added benefit of allowing you to designate your ads as call only ads. When you select call only ads, website links in your ads are not clickable from a smartphone. Rather, your phone number is the only link that a user can click. Clicking on the phone number link will initiate a call to that number and you will be charged up to your bid amount (just as if the user had clicked on a website link).” Quelle

Call Extensions sind für alle Endgeräte verfügbar, auch für mobile, und können über das Web-Interface, den Bing Ads Editor oder die Bing Ads APIs erstellt werden. Die Abrechnung erfolgt auf CPC-Basis zuzüglich eines Preises von 1 US-Dollar pro Call Extension.

Die Bing Ads Call Extensions können auch in Kombination mit den Bing Location Extensions verwendet werden. Die Location Extensions zeigen bei der Suche nach dem Keyword die Adresse der nächstgelegenen Filiale des Unternehmens sowie Kontaktdaten an. Entsprechend macht es Sinn, die Adressdaten mit einer direkt erreichbaren Nummer zu versehen.

Es stehen fünf Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung:
A) Location Extension mit Telefonnummer, aber ohne Call Extension
B) Call Extension nur für mobile Endgeräte ohne Location Extension
C) Call Extensions mit Bing Ads Weiterleitungsnummer
D) Location Extensions mit Telefonnummer plus Call Extension nur auf mobilen Endgeräten
E) Location Extensions mit Telefonnummer plus Call Extension mit Bing Ads Weiterleitungsnummer

 

Funktionsspektrum ähnelt Googles

Diese neue Funktion seitens Bing ist nicht der erste Schritt, den Microsoft geht, um Google Konkurrenz zu machen. Was nur wenige Google-Nutzer wissen: Bing hat bereits ein breit angelegtes Portfolio aufbauen können, welches dem Googles nah kommt: Kartendienst, Übersetzer, News, Rechner, Lokales, Wetter, Shopping (mit Weiterleitung zu Ciao) und Video-Suche sind fester Bestandteil des Angebotes von Bing. Man könnte meinen, mit der separaten Video-Suche sei Bing Google einen Schritt voraus, doch bei solchen Überlegungen darf man nicht vernachlässigen, dass Google dies auf seinen Dienst YouTube auslagern und bei passenden Suchanfragen schlicht Ergebnisse von YouTube anzeigen kann.

Schickes Layout

Auch optisch versucht Bing, sich in eine konkurrenzfähige Stellung zu bringen. Das letzte große Layout-Update erfolgte im Mai 2012 für Bing Vereinigte Staaten (Englisch) und zeigt die Suchmaske mit einer “Popular Now”-Leiste, die aktuelle Geschehnisse visualisiert, vielen Funktionen und wechselnden Hintergrundbildern:

Startseite der Bing-Suche Vereinigte Staaten (Englisch)

Die Startseite der Bing-Suche Vereinigte Staaten (Englisch)

Konkurrenz zu Street View

Auch vor Google Street View hat Microsoft keine Scheu und startete für Bing Vereinigte Staaten 2011 den Konkurrenten “Streetside”, der eine ähnliche realbildliche Ich-Perspektive ausgewählter Strecken zeigt. Darüber hinaus beinhaltet Bing Karten auch Funktionen wie einen Routenplaner, Stau-Warner und die Möglichkeit, Shopping Malls und Flughäfen anzuzeigen.

Bing Streetside

Bings Pendant zu Googles Street View am Beispiel von New York und Umgebung

Wermutstropfen: Um Streetside nutzen zu können, ist es nötig, Microsoft Silverlight zu installieren. Wer dies nicht möchte, kann Streetside nicht nutzen.

Bing Streetside setzt Microsoft Silverlight voraus

Bings Funktion Streetside setzt die Installation von Microsoft Silverlight voraus

 

Social Signals werden integriert

So sehr Bing sich bei vielen Funktionen an die von Google vorgegebenen Standards hält, geht Microsofts Suchmaschine beim Thema Social Signals andere Wege: Statt wie Google die Wirkung von Likes, Shares, Tweets usw. im Halbdunkel zu belassen, werden bei Bing Suchergebnisse aus sozialen Netzwerken in einer separaten Anzeige integriert, sofern passend.

Mobile-Apps für Jeden

Auswahl der Suchmaschine bei iPhone

iOS lässt dem Nutzer die Wahl: Google, Yahoo oder Bing?

Mobil ist Bing sehr gut aufgestellt: Windows-Phones haben die Bing-Suche, die mit einem Hardware-Button erreichbar ist, vorinstalliert.

Bei iPhone und iPad können Nutzer auswählen, ob sie Google, Bing oder Yahoo als Suchmaschine nutzen möchten. Zusätzlich gibt es Bing-Apps für Smartphones mit Android-Betriebssystem, iPhones, iPads und Blackberry-Geräte.

 

Bing baut Marktanteile weiter aus

In vielerlei Belang folgt Bing den großen Fußstapfen Googles, vor allem, was die Funktionen in und um die Suche herum angeht. Web-Suche, Bilder, Karten mit realbildlicher Darstellung (analog zu Googles Street View), News, Übersetzer, Rechner, das Anzeigen-Netzwerk, … Diese Funktionen sind nötig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn möglich, bemüht sich Microsoft hingegen, mit Bing neue Wege einzuschlagen und sich trotz Marktdrucks eine eigene Identität zu schaffen: Social Signals werden bei passenden Suchanfragen stärker in die Ergebnisse einbezogen, das Layout setzt mehr auf visuellen Schick und die “Popular Now”-Leiste mit Bildern erleichtert das flexible Surfen.
Hardware-bezogen setzt Bing eher auf Masse als Google: Es gibt für annähernd jedes Betriebssystem sowie für Tablets optimierte Apps, so dass jeder Bing nutzen kann.
Ob diese Vielfalt in Kombination mit den altbekannten Wegen, die Microsoft mit Bing seitens der Funktionen in der Suche geht, seine Marktanteile näher an die Traumwerte Googles rücken kann, bleibt abzuwarten. Aktuelle Statistiken aus dem Jahr 2013 sprechen von einem Marktanteil von Bing von 17,9% in Bings Heimat- und Schwerpunktmarkt USA, was eine Steigerung von rund 2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr bedeutet.


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