Wie darf ich heute noch schreiben? Online-Begriffe im Deutschen

Die Online-Branche ist innovativ und dynamisch. Dies macht sie modern und für viele Experten sehr attraktiv als Arbeitsfeld. Doch diese Wandlungsfähigkeit bringt auch Tücken mit sich: Gerade sprachlich herrscht große Verwirrung. Es gibt so viele Begriffe, die einfach aus dem Englischen übernommen werden, doch wie binde ich diese in meinem deutschen Text ein, ohne dass die deutsche Grammatik vernachlässigt wird und die Sätze geradezu grausam aussehen? Oder soll ich versuchen, deutsche Entsprechungen zu finden? Auch diese Taktik findet spätestens bei englischen Eigennamen ihr Ende. In diesem Text will ich versuchen, Ihnen aus sprachlicher Sicht sinnvolle Vorschläge zu unterbreiten, wie Sie die meisten Unsicherheiten der internationalen Online-Branche in Ihren Texten umgehen können.

Blog-Marketing, Blog Marketing oder Blogmarketing?

Diese Frage könnte auch gut von Günther Jauch bei “Wer wird Millionär” gestellt werden. Tatsächlich gilt in der deutschen Grammatik der Grundsatz, dass ein Wort (eine inhaltliche Einheit, wie [Blog Marketing] sie darstellt) niemals aus zwei Komponenten mit einem Leerzeichen zwischen ihnen besteht. Ein Wort wird immer entweder zusammen geschrieben oder, bei längeren Kombinationen, mit Bindestrichen verbunden. So wäre beispielsweise “Marketing-Strategie” ein Wort.

Den Ausdruck “Blog Marketing” mit einem Leerzeichen gibt es also nach grammatischen Regeln im Deutschen nicht, ebenso wenig wie “Social Media”, “Google+ Kreise” oder “longtail Keyword”.

Theoretisch. In der Praxis jedoch ergeben sich Probleme, wenn man zwischen allen zusammenhängenden Wortbestandteilen einen Bindestrich einfügen würde. Einerseits hätte vermutlich Ihr SEO-Kollege etwas dagegen, da sich die Begrifflichkeiten natürlich danach richten, was Nutzer über Google suchen. Bedeutet: Wenn einhunderttausend Nutzer nach “Blog Marketing” suchen, stellen Sie sich gegen den dadurch geschaffenen Standard, wenn Sie “Blog-Marketing” verwenden.

Andererseits wäre eine Verbindung mit Hilfe eines Bindestriches oft sperrig und unschön im Schriftbild. So las ich vor kurzer Zeit “Google+-Hangout” – und war verwirrt ob der Kombination aus dem Plus-Symbol und dem folgenden Bindestrich. Dies stört den Lesefluss und ist daher nicht zweckdienlich.

Was ist nun die Lösung? Ich bin zwar Germanistin, doch keine dieser unsäglich sturen Sprachwächter, die jeden Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache verdammen. (Verzeihung für diesen kurzen Ausflug in meine persönliche Meinung über Sprachwächter.) Mit einer solchen Einstellung könnte ich auch nicht im Online Marketing arbeiten, ohne täglich einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Ich halte es sowohl sprachlich als auch aus pragmatischen Gründen für das Sinnvollste, die Einbindung englischer Worte ins Deutsche so gut wie möglich an unsere Grammatik anzugleichen, ohne dabei albern zu werden oder den Leser zu irritieren.

In Kürze bedeutet das: Ich bin dafür, “Blog Marketing” und “Social Media” zu schreiben, und “Google+ Hangout” würde ich ebenfalls so durchgehen lassen. Zumindest solange diese Begriffe dem entsprechen, was der Nutzer gewohnt ist und selbst verwendet. Dies erleichtert Ihnen auch die weitere Konstruktion Ihrer Sätze. Wichtig ist dabei nur, dass Sie konsistent bleiben: Schreiben Sie “Blog Marketing”, so müssen Sie auch konsequent sein und “Social Media Marketing Strategie” ohne Bindestriche verwenden.

Und falls Sie eine klug klingende Begründung für Ihren Vorgesetzten oder skeptische Kollegen benötigen: Wenn Worte aus dem Kontext einer anderen Sprache in die eigene Muttersprache übernommen werden, sollte man bei deren Verwendung nicht blind dazu übergehen, sie in die eigene Grammatik einzubinden, sondern auch die Pragmatik sollte nicht vernachlässigt werden. Wenn im Englischen die Bedeutungen beider Wörter problemlos mit einander kombiniert werden können und deren Verwendung bereits im Deutschen üblich ist, wird sich den meisten Muttersprachlern auch im Deutschen die Kombination von zwei Worten ohne Bindestrich erschließen. Dabei kann die inhaltliche Eigenständigkeit jedes der beiden Wörter sogar noch hervorgehoben werden.

 

In, auf, mit, bei, …. Facebook?

Selbst englische Muttersprachler begehen manchmal Fehler, wenn es darum geht, die richtige Präposition zu verwenden. Gerade bei Social Networks herrscht oft Verwirrung: Heißt es “auf/ in/ bei” Facebook/ Twitter/ XING/ …?

Im Englischen wird häufig “in Facebook” verwendet – metaphorisch wie “in einem Buch stehen”. Im Deutschen verwenden einige Experten ebenfalls “in Facebook” – doch kaum ein Nutzer.

Flächendeckend etabliert hat sich eher “auf Facebook”, was übrigens eher die Vorstellung einer Datenbank oder Plattform suggeriert statt eines (Jahr-)Buches. Die Präpostionen für andere soziale Netzwerke wie Twitter, XING, LinkedIn, foursquare usw. richten sich zumeist nach dem Vorbild Facebooks, so dass zumeist “auf Twitter”, “auf XING”, … verwendet wird.

 

Deutsche Entsprechungen

Es war schon immer so und wird immer so sein, dass Worte aus Fremdsprachen ins Deutsche übernommen werden. Dies stellt einen völlig normalen Prozess dar, den jede Sprache durchlebt, sofern ihre Sprecher Kontakt zur Außenwelt haben. So stammen deutsche Worte wie “Abenteuer” oder “Ritter” aus dem Französischen, der Ausspruch “Wolf im Schafspelz” wurde von Martin Luther schlichtweg erfunden und Worte deutschen Ursprungs wie “zeitgeist” und “doppelganger” sind gewöhnlicher Teil der englischen Standardsprache.

Wenn ein Wort aus einer Fremdsprache übernommen wird – man sollte besser sagen, eingebürgert wird – unterliegt es im Laufe der Zeit natürlicher Weise dem Sprachwandel. Laute und Endungen werden angepasst, es wird in die Grammatik der aufnehmenden Sprache eingebunden und verändert sich. Worte wie “Quiz” oder “Boykott” werden heute völlig normal dekliniert, wir setzen sie in den Plural oder Genitiv und verwenden sie mit Bindestrichen, wenn wir sie kombinieren. Manchmal ist der Werdegang eines Wortes auch ein anderer und es bezeichnet eine Technologie, die sich annähernd zeitgleich in verschiedenen Ländern entwickelt hat, wodurch verschiedene Begriffe für den gleichen Gegenstand entstanden – zum Beispiel “mobile phone” und “Handy”.

Prinzipiell ist es also nicht nötig, englische Worte, die im Deutschen Verwendung finden, bewusst zu übersetzen. Lässt man der Zeit einfach ihren Lauf, geschieht dies ohne jede Lenkung von selbst. Doch oftmals passen bildungsbürgerliche Institutionen (wie z.B. die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, überregionale Tageszeitungen) oder die Duden-Redaktion anglophone Worte mehr oder weniger bewusst ans Deutsche an oder übersetzen sie schlicht und setzen damit neue, sprachliche Standards. So wurde aus “Social Network” häufig “soziales Netzwerk” und für “to post” wurde das bereits längst bekannte “veröffentlichen” eingesetzt.

Wenn jedoch ein deutscher – fast schon müsste man sagen, deutscherer – Begriff – bereits üblich ist und dessen Verwendung keinen Unternehmensrichtlinien oder SEO-Zwecken im Wege steht, ist es eine Frage des Stils, ob Sie diesen verwenden. Mit der deutscheren Variante zeigen Sie sprachliche Integrität und setzen ein gewisses Zeichen für die deutsche Sprache, mit dem Englischen zeigen Sie Modernität und sind vermutlich näher am Nutzer.

 

Oft ist es schwierig, zu entscheiden, welche sprachliche Variante am zweckdienlichsten ist. Hoffentlich hat Ihnen dieser Artikel dabei geholfen, für sich eine klare Linie zu finden. Dieser müssen Sie nur noch folgen.


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