Was tun bei Rankingverlust?

Da baut man über Monate hinweg seine Webseite auf, investiert viel Zeit, undenkbar viel Mühe und auch Geld in die Erstellung und Pflege, ist stolz auf sein Projekt und hofft auf das Beste – und dann stellt man plötzlich fest, dass die Google-Rankings einbrechen. Von heute auf morgen nur noch ein Zehntel der vorherigen Besucherzahlen! Eine Horror-Vorstellung für jeden Webmaster.

Google ist ein Mastermind darin, immer neue Filter und Mechanismen zur Spam-Abwehr zu entwickeln. Viele dieser Updates werden in den Algorithmus eingebunden, ohne dass es der Öffentlichkeit gegenüber kommuniziert wird, und auch in Matt Cutts´ bekannten YouTube-Videos zu Nutzerfragen wird oft mystisch verhüllt, wie genau Google eigentlich funktioniert.

Doch das Puzzle aus Andeutungen und langjährige Erfahrung im Kampf um gute Platzierungen in den Suchergebnissen lassen durchaus zu, einige verlässliche Aussagen über die Gründe eines Rankingverlustes und wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen.

 

Feind eines jeden SEO: Die Google Penalty

In vielen Fällen resultiert ein deutlicher Rankingverlust aus einer Abstrafung seitens Google, einer Penalty. Dabei wird der Begriff “Penalty” unterschiedlich definiert: Während einige darunter ausschließlich manuelle Abstrafungen von Webseiten durch das Anti-Webspam-Team verstehen, beziehen andere den Begriff auf automatisierte Filter, die Spam erkennen und sofort unterbinden sollen. Wieder andere verstehen unter “Penalty” beides, wonach ich mich in diesem Artikel auch richten möchte.

In jedem Fall führen Abstrafungen zu einer Einbuße der Rankings. Da die meisten Webseiten einen Großteil ihrer Nutzer durch Google erhalten, kann eine Penalty gerade für Online-Shops und Plattformen existenzbedrohend sein. Sollten Sie vermuten, von einer Penalty betroffen zu sein, haben wir hier eine ausführliche Anleitung für Sie, was es zu überprüfen gilt und wie Sie Ihre Rankings kurieren können.

Graph: Einbruch des Rankings für eine ganze Domain

Ärgerlich: Ein starker Einbruch der Sichtbarkeit für diese Domain

 

Automatische Filter

Bei über einer Milliarde Webseiten, die täglich durch den Googlebot gecrawlt werden, müssen automatische Filter einen Großteil des Spam abwehren. Wird eine Webseite als Spam eingestuft, kann diese klassischer Weise um 30, 50 oder 100 Ergebnisseiten nach hinten verschoben werden. Doch auch andere negative Veränderungen des Rankings (Webseite steht ganz am Ende der Suchergebnisse oder auf Seite 300+, Abfall um einen deutlichen Prozentsatz) können dem Wirksamwerden eines Filters zugrunde liegen.

 

Folgende Möglichkeiten sollten Sie überprüfen:

1. Domainalter

Eine noch sehr junge Domain steht im Ranking zunächst weit hinten. Hier muss durch kontinuierlichen, natürlichen Linkaufbau und Backlinks bestenfalls von vertrauenswürdigen Webseiten entgegen gewirkt werden.

Aufmerksam sollten Sie auch werden, wenn Sie Ihre Domain gekauft oder neu registriert haben: Auf der “alten” Domain könnte noch eine Penalty liegen, von der Sie bis dato nichts wussten.

2. Links

Verschiedene Verhaltensweisen im Rahmen des Linkaufbaus können Sie in einen von Googles Filtern rutschen lassen:

  • Die Verlinkung Ihrer Webseite mit wenigen, immer gleichen Ankertexten, schlimmstenfalls ausschließlich mit Ankertexten, die nur Money Keywords enthalten. Gegenmaßnahme: Verwenden Sie auch Ankertexte mit Stoppworten (“hier”, “diese Webseite”), longtail-Keywords, Kombinationen aus Keywords und Stoppworten usw.
  • Eine Bad Neighbourhood. Die Linkquellen Ihrer Backlinks können Ihr Ranking in die Tiefe reißen. Verlinken Webseiten auf Sie, die auch auf Spam-, Cloaking- und andere nicht vertrauenswürdige und spammige Seiten verlinken, erhöht sich damit Ihr Risiko, abgestraft zu werden. Sprechen Sie also bestenfalls im Vorhinein genau mit Ihrem Partner ab, auf welche anderen Seiten er noch verlinken möchte. Gegenmaßnahme: Falls einige Ihrer Linkquellen auf zu spammige Seiten verlinken und dieses Verhalten Sie in einen Filter drängt, fordern Sie Ihren Kooperationspartner auf, Ihre Links zu entfernen und bauen Sie stattdessen vertrauenswürdige Backlinks auf. Beachten Sie auch das Alter und die Entwicklung der Linkquelle, die Anzahl der ausgehenden Links auf ihr, die Ankertexte und natürlich die Themenrelevanz zwischen Ihrer Seite und der Linkquelle.
  • Ein ungewöhnlich schnelles Linkwachstum. Es ist natürlich, wenn einige Backlinks pro Monat entstehen, darauf ist Google auch angewiesen. Doch dieses Wachstum sollte kontinuierlich und sukzessive erfolgen! Entstehen in einem Monat zehn neue Backlinks, im Monat darauf jedoch 150, die offensichtlich aufgebaut wurden und nicht organisch enstanden sind, werden Sie vermutlich in einen Spam-Filter rutschen. Bei einer größeren Anzahl organischer, d.h. natürlicher Backlinks von vertrauenswürdigen Quellen hingegen brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Gegenmaßnahme: Kontiniuerlicher Linkaufbau, der natürlich und organisch wirkt (Linkquellen, Wachstum und Relevanz beachten) und der ohne sprunghafte Anstiege abläuft.
  • Ein ungewöhnliches Linkbild. Hier sind zwei Faktoren zu beachten: Das Verhältnis von Startseiten- und Deeplinks, also wie oft andere auf Ihre Startseite und wie oft auf einzelne Unterseiten verlinken, sollte bei einem Blog nicht zur einen oder anderen Seite stark abfallen. Ein Verhältnis von 80 zu 20 ist also ebenso ungünstig wie 70 zu 30. Gegenmaßnahme: Ein Verhältnis von 40 zu 60 (also 60% Deeplinks) sehen viele SEO-Experten als Optimum für ein Blog an. Von Webseitentyp zu Webseitentyp (Nachrichtenportale, Unternehmensseiten, Foren etc.) varriiert das optimale Verhältnis stark. Versuchen Sie also, mehr Deeplinks bzw. mehr Startseiten-Links aufzubauen, je nachdem, in welche Richtung dieses Verhältnis in Schieflage ist.
    Auch die Verteilung der PageRanks der verlinkenden Seiten kann Sie in einen Filter zwingen. Hat Ihre Webseite selbst einen PageRank von 4, besitzen aber 80% der Seiten, die auf Sie verlinken, einen PageRank von 8 oder 9, sieht dies unnatürlich aus. Gegenmaßnahme: Natürlicher Weise werden Sie oft von Webseiten verlinkt werden, welche gar keinen oder einen niedrigen PageRank haben. Wenn Sie einige wenige Links von Seiten mit hohem PageRank haben, umso besser, doch diese Anzahl sollte nicht zu groß werden.
  • Fehlende Linkvielfalt. Wie in obigen Beispielen auch, kommt es hier auf das richtige Maß an. Sie sollten nicht ausschließlich Foren-Links aufbauen, ebensowenig wie ausschließlich Links aus Blog-Kommentaren oder ausschließlich Content Links. Verwenden Sie auch Follow und Nofollow-Links! Gegenmaßnahme: Die Mischung macht´s! Bauen Sie vielfältige Links auf: Authority Links, Links aus Foren, Blogs, Branchenbüchern, Portalen, Social Bookmarks, Katalogen, … und mischen Sie Follow und Nofollow.

3. Onpage-Faktoren

Nicht nur wer wie auf Sie verlinkt ist wichtig, sondern natürlich auch, wie Ihre eigene Webseite ausschaut. Hier eine Checkliste, welche Fragen Sie sich stellen sollten, wenn Sie trotz einwandfreien Linkaufbaus in einen Filter geraten sind:

  • Sind meine Titel mit Keywords vollgestopft oder auf den Leser optimiert?
  • Sind meine Meta-Tags (Title Tag, Image Alt Tag) ausgefüllt und ebenfalls auf den Leser optimiert?
  • Wie hoch ist die Keyword-Dichte in meinen Texten? Sie sollte nicht mehr als 3% betragen, andernfalls könnten Sie aufgrund von Keyword-Stuffing in einen Filter rutschen.
  • Ist mein Text durch h1-, h2- und h3-Überschriften gegliedert?
  • Ist mein Content (vor allem Texte, aber auch Bilder, Videos etc.) unique? Duplicate Content vor allem bei Blogposts kann schnell in einen Filter führen.
  • Führen Links auf meiner Seite oder Backlinks auf meine Domain zu Fehlerseiten? Diese fehlerhaften Links sollten Sie korrigieren!

Automatische Filter sind kein Grund, Ihre Webseite bereits als verloren zu betrachten. Gehen Sie im Falle eines Rankinverlustes alle Möglichkeiten nach einander durch und prüfen Sie ehrlich, ob nicht der ein oder andere Faktor einer Überarbeitung bedarf. Nach der Optimierung kann es durchaus einige Tage oder gar Wochen dauern, bis Ihre Änderungen bewirkt haben, dass Sie nicht mehr in den Filter fallen. Hier ist etwas Geduld gefragt.

 

Manuelle Abstrafungen

Die automatischen Filter erleichtern vor allem einer Gruppe von Google-Mitarbeitern die Arbeit: dem Anti-Webspam-Team unter Leitung von Matt Cutts. Sie sind dafür verantwortlich, Webseiten, die nicht in einen der Filter fallen und dennoch Spam verbreiten, aus dem Verkehr zu ziehen. Hierfür stehen Cutts und Co. verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, welche im Folgenden behandelt werden.

Falls Ihre Webseite durch eine manuelle Maßnahme des Anti-Webspam-Teams abgestraft wurde, erhalten Sie in den meisten Fällen eine Nachricht in Ihren Webmaster Tools. Dieser können Sie oft entnehmen, worauf genau Google aufmerksam wurde. Hier sollten Sie ansetzen, damit sich Ihre Webseite schnell rehabilitieren kann – auch, wenn Sie sich keiner Schuld bewusst sind und sich angesichts der Anschuldigung, Spam zu verbreiten, vielleicht sogar angegriffen fühlen. Doch nicht jeder Penalty liegt unbedingt Fehlverhalten zugrunde, sondern vielleicht eine Überoptimierung oder eine Änderung im Algorithmus. Es gilt: Bewahren Sie die Ruhe, jeder Abstrafung kann entgegen gewirkt werden!

So kann die Information über eine Abstrafung aussehen:

Dear site owner or webmaster of http://www.*****.***,
We’ve detected that some of your site’s pages may be using techniques that are outside Google’s Webmaster Guidelines.
Specifically, we detected low-quality pages on your site which do not provide substantially unique content or added value. Examples could include thin affiliate pages, doorway pages, automatically generated content, or copied content. For more information about unique and compelling content, visithttp://www.google.com/support/webmasters/bin/answer.py?answer=66361.
We encourage you to make changes to your site so that it meets our quality guidelines. Once you’ve made these changes, please submit your site for reconsideration in Google’s search results.
If you have any questions about how to resolve this issue, please see our Webmaster Help Forum for support.
Sincerely,
Google Search Quality Team

1. Keyword-Abstrafung

Bei einer Keyword-Abstrafung, auch Keyword-Zurückstufung genannt, wird Ihr Ranking für eines oder mehrer Ihrer Keywords verschlechtert. Diese Abstrafung kann sowohl automatisch als auch manuell erfolgen und ist schwierig zu erkennen, da sie häufig mit dem Everflux, dem natürlichen Wechsel der Platzierungen in den Suchergebnissen, verwechselt wird. Eine auffällige Veränderung Ihres Rankings für nur einzelne Keywords (etwa ein Abfall um 50 oder 60% oder eine plötzliche Platzierung ganz am Ende der Suchergebnisse) deutet stark auf eine Keyword-Abstrafung hin.

Was ist zu tun? Überprüfen Sie sich zunächst selbst: Welche Änderungen (sowohl Onpage als auch Offpage) haben Sie in letzter Zeit vorgenommen, die zu einer Abstrafung geführt haben könnten? Diese könnten ggf. auch bereits längere Zeit vergangen sein und nun erst negative Konsequenzen haben. Im Onpage-Bereich können dies u.a. eine Überoptimierung im Text (zu hohe Keyword-Dichte), mit Keywords vollgestopfte oder nicht ausgefüllte Meta-Tags und fehlende Themenrelevanz sein. Doch auch im Offpage-Bereich können die Ursachen für eine Keyword-Abstrafung liegen, z.B. Verlinkungen auf Ihre Seite mit dem abgestraften Keyword oder zu schneller Linkaufbau. Allerdings ist es auch möglich, dass das Keyword generell abgestraft wurde und die Penalty nicht nur Sie betrifft.

 

2. Seiten-Abstrafung

Eine Seiten-Abstrafung oder Seiten-Zurückstufung wertet das Ranking für alle Keywords ab, auf die Sie mit der jeweiligen Domain ranken – inklusive Ihres eigenen (Marken-, Blog-) Namens. Ob eine Seiten-Abstrafung vorliegt, können Sie auf einfachem Wege überprüfen: Geben Sie bei Google Ihre Domain mit Länderdomain ein. Steht Ihre Domain in den Suchergebnissen nicht an erster Stelle, sind Sie vermutlich von dieser Penalty betroffen.

Was ist zu tun? Überprüfen Sie auch hier Ihr Vorgehen in letzter Zeit. Haben Sie beim Linkaufbau nicht vertrauenswürdige Quellen verwendet, sind Sie in Bad Neighbourhood geraten oder haben Praktiken wie Cloaking genutzt? Dies könnten die Gründe für eine solch sehr drastische Abstrafung sein. Vielleicht reicht es, schlechte Links abzubauen und das Linkprofil durch eine größere Vielfalt an Linktypen, Ankertexten und saubere Linkquellen natürlicher aussehen zu lassen.

 

3. Delisting

Bei dieser Maßnahme wird Ihre Webseite inklusive aller Unterseiten komplett aus dem Suchindex gelöscht. Es ist die schwerste Penalty und wird demnach nur bei groben Verstößen gegen Googles Richtlinien angewandt.

Durch eine Site-Abfrage bei Google (Suche nach “site:domain.länderdomain”) können Sie feststellen, ob Ihre Seite tatsächlich nicht mehr über die größte Suchmaschine der Welt gefunden werden kann.

Site-Abfrage für die Domain ranksider.de

Site-Abfrage für die Domain ranksider.de

Was ist zu tun? Finden Sie kein Suchergebnis bei dieser Site-Abfrage, sollten Sie zunächst Ruhe bewahren. Vielleicht ist Ihre Domain noch zu jung, um bereits indexiert worden zu sein? Haben Sie bereits genügend Links aufgebaut? Oder Sie haben – versehentlich oder nicht – Ihre Webseite mit robots.txt für die Indexierung durch den Googlebot gesperrt? Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der Content auf dieser Domain doppelt existiert und Google nur die andere Domain mit diesem Content indexiert hat.

Sollten all diese Möglichkeiten auf Sie nicht zutreffen, liegt wohl ein Delisting vor. Haben Sie Spam-Methoden angewandt, Cloaking betrieben oder wurden hauptsächlich von Spam-Seiten verlinkt? Ist Onpage alles in Ordnung (Keyword-Dichte, Qualität der Texte, Titel etc.)? Haben Sie ggf. Links gekauft, getauscht oder gemietet?

 

Sofern Sie alle Faktoren auf die Konformität mit den Google-Richtlinien überprüft haben und keine groben Verstöße feststellen, können Sie den Versuch wagen, einen Reconsideration Request, also die Bitte um erneute Überprüfung Ihres Falles, an Google zu richten. Diese können durchaus viel Erfolg haben, so dass eine etwaige Penalty aufgehoben wird, auch wenn die positive Änderung manchmal auf sich warten lässt. Sie haben gezeigt, dass Sie Ihre Konformitätsverstöße behoben haben und die Chance ist nicht schlecht, dass Sie nach einiger Zeit wieder im Index geführt werden.


» Interview mit Björn Tantau, Head of Social Media bei TRG
» Interview mit Stephanie Ludermann von Wortalarm.de