Verdrängt Google SEO durch SEA?

Neue Entwicklungen in der Vorgehensweise Googles zeigen, dass das Unternehmen einen Weg beschreitet, der auf Dauer die Suchmaschinenwerbung bevorzugen und die Suchmaschinenoptimierung beinahe überflüssig machen könnte.

Gegenüber des amerikanischen SEO-Blogs Searchengineland bestätigte Google in der heutigen Nacht deutscher Zeit, dass die so genannte Protected Search über SSL-Verschlüsselung, welche bisher die Suchanfragen einloggter Nutzer verschleierte und dazu führte, dass diese Keyword-Daten nicht wie gewohnt über Google Analytics abrufbar waren. In Zukunft also sollen alle Suchanfragen mit Ausnahme von Klicks auf Anzeigen SSL-verschlüsselt werden. Searchengineland zitiert Google so:

We added SSL encryption for our signed-in search users in 2011, as well as searches from the Chrome omnibox earlier this year. We’re now working to bring this extra protection to more users who are not signed in. Quelle

Bereits zuvor waren die Protect-Search-Anfragen ein Problem für viele SEOs, da diese in Google Analytics als “not provided” angezeigt und daher nicht ausgewertet werden konnten. Der Anteil dieser “not provided”-Daten stieg, als die Browser Mozilla Firefox, Safari und Chrome seit 2012 selbst solche Google-Suchanfragen verschlüsselten, die von nicht eingeloggten Nutzern ausgeführt wurden. Nun steigt der Wert der “not provided”-Daten erneut, wie auch Searchengineland berichtet und anhand eines Graphen aus dem Tool “Not Provided Count” darstellt:

Nun spekulieren viele vor allem amerikanische Blogs und Webseiten über die Gründe, die zu diesem Schritt geführt haben könnten. Searchengineland, welches als Erstes über Googles Plan, alle Suchanfragen zu verschlüsseln, berichtete, spinnt zwei Theorien: Entweder, Google möchte den Nutzer schützen, gerade in Hinsicht auf den jüngsten PRISM-Skandal und den damit einhergehenden Schaden der Reputation solcher Unternehmen, die Daten an die NSA weitergegeben haben. Oder aber, Google möchte sein Anzeigen-Geschäft stärken: Denn der nun probateste Weg, zurückgehaltene Keyword-Daten auszuwerten, ist über Google AdWords. Zudem werden diejenigen Suchanfragen, welche zu einem Klick auf eine Anzeige geführt haben, nicht als “not provided” angezeigt, sondern sind auswertbar.

Vielleicht waren es solche Spekulationen, deren Argumentation sich auch auf das umstrittene PRISM-Programm bezieht, welche Google dazu veranlassten, erneut gegenüber Searchengineland Stellung zu nehmen (Quelle siehe oberes Zitat):

We want to provide SSL protection to as many users as we can, in as many regions as we can — we added non-signed-in Chrome omnibox searches earlier this year, and more recently other users who aren’t signed in. We’re going to continue expanding our use of SSL in our services because we believe it’s a good thing for users….
The motivation here is not to drive the ads side — it’s for our search users.

Unabhängig von Googles Gründen für diesen Schritt: Die verlässlichen Keyword-Daten nehmen ab, nur Anzeigen-Daten sind davon nicht betroffen. Wird dieses Problem weiter zunehmen, ist Google Analytics zukünftig nicht mehr von gleicher Relevanz wie es bisher der Fall ist. Wann und in welchem Maße die Aktualisierung ausgerollt sein wird, ist nicht bekannt.

Ein Trostpflaster für Webmaster: Die Daten aus den Google Webmaster Tools sind noch immer eine solide Datengrundlage für die Analyse der Suchanfragen.


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