Unter anderen Umständen könnte ich für diese Zeilen verfolgt werden.

Ein Kommentar.

Einen Blog zu betreiben, ist seit Jahrzehnten Ausdruck persönlicher Interessen, Hobbies und vor allem der eigenen Meinung. Heute kann jedermann kostenlos einen Blog eröffnen und unter gewissen Umständen auch gutes Geld damit verdienen.

 

Dies ist die positive Seite am Erfolg als Blogger: Bekanntheit, gute Einnahmen durch den Verkauf von Beiträgen, Bannern usw., kostenlose Produkte zum Testen oder als Werbegeschenke, Einladungen, die Möglichkeit, ein eBook oder Buch zu schreiben und dadurch weiterhin Geld zu verdienen.

 

Doch wenn das Schlagwort “Blog” fällt, an welche Art Blogs denkt man? An die Make-up- und Lifestyle-Blogs, auf denen man neueste Trends und DIY-Anleitungen findet? An den Technik-Blog, der als einer der Ersten das iPhone 5 vorgestellt hat? An Mami-Blogs mit Tipps zur Gestaltung der perfekten Kinder-Geburtstagsparty? Oder vielleicht auch an den kritischen Blogger, der mit seinen Beiträgen staatliche Vorgehensweisen hinterfragt?

All diese Blogs haben ihre Daseinsberechtigung, natürlich. Für jedes Interessensgebiet gibt es Leser und jedes existente Thema gehört zur Lebenswelt des einen oder anderen.

 

Doch einen signifikanten Unterschied zwischen dem amerikanischen Mode-Blog und dem kritischen Blogger aus Russland, dem Iran, Pakistan, Vietnam, Nord-Korea, … gibt es: Der Kritiker wird aufgrund regimekritischer Äußerungen Repressalien ausgesetzt, mitunter verfolgt, verhaftet, verurteilt, getötet.

Haben Sie schon einmal die Aussage getroffen: “Es ist nur ein Blog”?

Dies sind diejenigen Blogger, die versuchen, ihre Stimme zu erheben und öffentliche Diskurse anzustoßen – in Staaten, in denen dies nicht nur ihre Freiheit kosten kann. Es ist leicht, zu sagen: “So etwas gäbe es in Deutschland nicht!” – und doch, man müsste nur an einigen wenigen Stellschrauben der Gesellschaft drehen, um totalitäre Zustände zu erzeugen. Es ist für Jeden relevant, sich mit dem Kampf von Bloggern für Meinungsfreiheit, Liberalismus, Bildung und Toleranz aus einander zu setzen.

 

Alexej Nawalny – Anwalt, Bogger, Verurteilter

Am gestrigen Donnerstag wurde Alexej Nawalny zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Der offizielle Vorwurf: Veruntreuung von 10 000 Kubikmeter Holz aus den staatlichen Forstbetrieben der russischen Stadt Kirow. Nawalny habe die Forstbetriebe illegaler Weise mit der Auslieferung dieser Menge Holz an seinen Bekannten und Unternehmer Pjotr Ofizerow beauftragt. Dieser wurde zu vier Jahren Lagerhaft verurteilt.

 

Wie Spiegel Online schreibt, seien die Ermittlungen seit dem Jahr 2009 mehrfach aufgenommen und aufgrund zu niedriger Beweislast wieder eingestellt worden. Das endgültige Verfahren, in welchem Nawalny nun verurteilt wurde, sei erst auf Drängen des staatlichen Ermittlungskomitees wieder aufgenommen worden. Zudem arbeitete Nawalny laut Spiegel Online lediglich als ehrenamtlicher Berater für den Provinzgouverneur von Kirow und habe daher keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber den staatlichen Forstbetrieben gehabt.

 

Prozessbeobachter und Experten, allen voran Natalija Koretnik, eine Zeugin der Anklage, schätzen den Prozess gegen Nawalny als “politische Auftragsarbeit” ein (Zitat nach Spiegel Online). Der US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul, sprach von einer “offensichtlichen politischen Motivation in diesem Prozess”. Dafür sprechen die Tatsache, dass Nawalny in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Leitfigur der russischen Opposition gegen Putin wurde und hat sich offiziell als Kandidat für das mächtige Amt des Moskauer Oberbürgermeisters aufstellen lassen.

 

Am gestrigen Donnerstag Abend hat sich die russische Generalstaatsanwaltschaft eingeschaltet und überraschend die vorläufige Freilassung Nawalnys aus der Untersuchungshaft gefordert, bis das Berufungsverfahren gegen ihn beginnt.

 

Tod in Haft: Sattar Beheshti

Der iranische Blogger Sattar Beheshti setzte sich in seinem Blog für Meinungsfreiheit und Toleranz abweichender polititscher Ansichten ein. Am 30. Oktober 2012 wurde er wegen “Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit in sozialen Netzwerken und Facebook” festgenommen und laut anonymen Zeugen (vgl. Bericht der Welt) grausam gefoltert. Ende des Jahres 2012 starb er – laut Angaben der Regierung aufgrund einer Krankheit. Vor seiner Inhaftierung berichtete Beheshti laut Welt auf seinem Blog, man habe ihm mit den Worten gedroht: “Deine Mutter wird bald schwarz tragen, weil du deine große Klappe nicht hältst”.

 

61jähriger Intellektueller und Blogger Pham Viet Dao inhaftiert

Früher für das Kulturministerium Vietnams tätig, trat Pham Viet Dao aus der kommunistischen Partei Vietmams aus und berichtete auf seinem Blog kritisch über deren Praktiken. Im vergangenen Juni 2013 wurde der Autor, Übersetzer für rumänische Literatur und Blogger wegen “Missbrauchs demokratischer Freiheiten” inhaftiert und wartet nun auf seine Verhandlung, in der ihm laut Deutscher Welle und Badischer Zeitung bis zu sieben Jahren Haft drohen. Deutsche Welle berichtet in diesem Kontext:

 

“Seit einiger Zeit geht die Regierung des südostasiatischen Landes mit zunehmender Härte gegen Aktivisten, Journalisten, Blogger und Künstler vor, die ihre regimekritischen Kommentare hauptsächlich im Internet veröffentlichen. Laut Medienberichten wurden allein in diesem Jahr mindestens 38 Blogger und Aktivisten festgenommen und verurteilt.” (Quelle)

 

Diese drei Beispiele stellen lediglich einen minimalen Ausschnitt aus der Bandbreite aller Verstöße gegen Meinungsfreiheit und andere Grundrechte in Dutzenden Staaten dar. Tagtäglich werden Blogger wegen kritischer Äußerungen und aufgrund ihrer politischen Ansichten verfolgt. Nicht jeder muss über Politik bloggen und aktiv für diese Rechte kämpfen – doch hat jeder einzelne Aktivist für freiheitliche Rechte es verdient, dass sein Einsatz bemerkt wird. Wenn Sie also das nächste mal einen Blog lesen, wovon er auch handeln mag – denken Sie für einen kurzen Moment daran, dass dies ein wichtiges, mächtiges Sprachrohr ist und Lebensrealitäten verändern kann. Es ist eben nicht “nur ein Blog”.

 

Dieser Beitrag ist ein Kommentar der Autorin und spiegelt keine Unternehmensphilosophien, Unternehmensstandpunkte oder Corporate Identities wider.


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