Social Network Underdogs: Aufstrebende und unbekannte soziale Netzwerke in Deutschland

Die meisten Deutschen sind in einem oder mehreren sozialen Netzwerken registriert. Dabei sind Facebook und Twitter erwartungsgemäß die beiden am häufigsten genutzten Netzwerke in Deutschland – ein Spiegel auch der weltweiten Nutzerzahlen. Doch gerade in den vergangen Jahren wurde an neuen sozialen Netzwerken mit Konzepten gearbeitet, die von den Mainstream-Giganten abweichen und so ihre eigene Nische bilden. Einige von diesen “Underdogs” sind in Deutschland zunehmend auf dem Vormarsch, wohingegen andere beinah niemand kennt. Hier sind die aufstrebenden und unbekannten Social-Network-Underdogs:

Pinterest und foursquare: Erfolgreich spezialisiert

Während man auf Facebook und Twitter nahezu jede Art von Content posten kann – ob Bild, Video, Audio oder Texte – sind einige Netzwerke gerade damit erfolgreich, sich auf eine Content-Art spezialisiert zu haben. Zu diesen gehören Pinterest und foursquare eindeutig.

Pinterest

Pinterest LogoIm April vergangenen Jahres hatte Pinterest laut comScore 307 000 Besucher aus Deutschland. Dies ist ein erheblicher Anstieg, wenn man betrachtet, dass es nur drei Monate zuvor, im Januar 2012, lediglich 69 000 Besucher waren.

Pinterest – das Wort ist eine Zusammensetzung aus “pin” (zu Deutsch “Notiz”) und “interest” (zu Deutsch “Interesse”) – hat sich auf Bilder spezialisiert. Jeder Nutzer hat eine Pinnwand, auf der er Bilder posten kann. Durch das Abonnieren anderer Pinnwände füllt sich die eigene Pinnwand mit den einzelnen Posts, den so genannten Pins, der gefolgten Nutzer. Diese Pins können weitergepinnt (analog zum Retweet auf Twitter), kommentiert und geliked werden.

Screenshot von Pinterest

Pinterest hat eine deutliche Stärke: Bildgewalt

Das Besondere an Pinterest ist sicher seine Bildgewalt. Allen voran Online-Shops wie Zalando oder Tchibo sind bei Pinterest aktiv, doch auch sehr viele Privatpersonen, die die Früchte ihrer Hobbys oder einfach interessante Bilder pinnen: Do-it-yourself-Projekte, Speisen, Kleidung, Einrichtungsideen, Kunst, Heimwerke, Architektur, Geschenkideen, … Die Liste der Fundstücke auf Pinterest ist schier endlos. Gerade diese Entdeckungstour durch spannende Bilder macht den Reiz von Pinterest aus. Das zurückhaltende Design und die übersichtliche Funktionalität machen den Farb- und Formreizen Platz und lassen sie zur Geltung kommen.

Daher eignet sich Pinterest besonders gut für Online-Shops: Qualitativ hochwertige Bilder von Ihren Produkten mit nützlichen Kommentaren und passenden Hashtags können nicht nur potentielle Kunden auf Sie aufmerksam machen, sondern auch den Traffic auf Ihre Webseite erhöhen. Entsprechend ist Pinterest zumeist ungeeignet für Dienstleister und Verkäufer von virtuellen Produkten.

foursquare

Als geobasiertes Netzwerk bietet foursquare nur wenige echte Funktionen, hat aber dennoch seinen Reiz für diejenigen, die oft und gern unterwegs sind.

Screenshot foursquare iPhone-App

Die foursquare iPhone-App

Mit foursquare können Sie die Orte, an denen Sie gerade unterwegs sind, mit Freunden teilen – quasi Statusupdates mit Inhalten wie “Ich bin bei RankSider, Essen”. Wenn Sie in einen Ort einchecken, können Sie Informationen über diesen abrufen – beispielsweise die Adresse oder Telefonnummer. Indem man sich ansieht, wer noch am gleichen Ort eingecheckt hat, wie man selbst, können neue Kontakte entstehen.

Zudem können foursquare-Nutzer für Orte hilfreiche Tipps hinterlegen, zum Beispiel “RankSider befindet sich im ersten Obergeschoss”.

Was foursquare fehlt, ist eine Art Chat-Funktion, um direkt mit Freunden, die in der Nähe sind, zu kommunizieren. Dafür ist das wohl bekannteste geo-basierte Social Network aber eine gute Ergänzung zu den mehr textlastigen Netzwerken wie Facebook und Twitter.

 

LinkedIn: Übergang zum Erfolg oder Untergang in deutschen Landen?

LinkedInLinkedIn will Fach- und Führungskräfte mit einander verbinden, um Zugang zu hochqualifizierten Personen, Stellen und branchenspezifischen News zu ermöglichen. Nach eigenen Angaben ist LinkedIn mit rund 225 Millionen Nutzern das größte berufliche Online-Netzwerk der Welt und kann in Deutschland rund 2,4 Millionen Nutzer vorweisen. Vielen Nutzern ist LinkedIn ein Begriff, da sie auf Blogs und News-Seiten oft auf deren Social Plug-In stoßen – allerdings bleibt die Zahl der Teilungen über LinkedIn häufig bei null. Grund dafür ist nicht zuletzt die sehr starke Konkurrenz, die LinkedIn in Deutschland mit dem ebenfalls auf Branchen spezialisierten Netzwerk XING hat.

Screenshot LinkedIn

In den USA hingegen konnte sich LinkedIn als Plattform für berufliches Kontakteknüpfen etablieren. Es bleibt abzuwarten, ob der deutsche Markt neben XING noch Platz für ein weiteres Business-Netzwerk hat oder LinkedIn ein Underdog bleiben wird.

 

Social Network Underdogs: (Noch) unbekannt, aber mit Potential

Jedes Social Network war einmal klein und unbekannt. Während vor allem Facebook und Twitter zu multinationalen Kommunikationskanälen avancierten, füllten sich nicht nur Zuckerbergs, Dorseys, Stones und Williams’ Konten, sondern der Hype schuf auch den Nährboden für neue Social-Media-Projekte. So entstehen beinah wöchentlich mal mehr, mal weniger nützliche Social Networks, die versuchen, sich die Stärken ihrer berühmten Brüder anzueignen und dennoch ein eigenes Konzept durchzusetzen.

Localmind

Dieses per App nutzbare Network ist, wie der Name bereits sagt, ebenfalls geo-basiert. Eine Karte verzeichnet interessante Locations in der Nähe – zum Beispiel Bars, Restaurants, Schwimmhallen – und einige Informationen zu diesen. Möchte man nicht riskieren, den Abend in einer halb leeren Kellerkneipe zu verbringen, kann man in Localmind Fragen zu den Locations stellen, z.B. “Wie voll ist es heute?” oder “Gibt es heute Sonderangebote?”. Localmind-Nutzer, die sich gerade in der Location aufhalten, werden über die Frage benachrichtigt und können sofort antworten. So weiß man nicht nur, was einen erwartet, sondern kann auch gleich Kontakte knüpfen.

http://vimeo.com/20825954

Konzept: geo-basierte Ausgeh-Tipps mit Frage-Funktion

Standort: San Francisco, USA

Nico to know: Localmind zeigt auf seiner Webseite acht Investoren, davon drei Unternehmen und fünf Einzelpersonen.

Digg

Digg ist ein Social Bookmark Dienst, der auf seiner Seite einzelne Blogposts, Bilder, Videos und Podcasts aggregiert. Anschließend können die Nutzer sie diggen (analog zum “als Favorit markieren” bei Twitter), wodurch sich eine wechselnde Rangordnung der beliebtesten Posts ergibt. Gerade Blogger nutzen gern den Dienst, damit sich ihre Beiträge besser über das Social Web verteilen. Im wöchentlichen Podcast “Diggnation” werden die beliebtesten Beiträge vorgestelt.

Digg Screenshot

Konzept: Social Bookmark Aggregator mit wöchentlichem Best-of-Podcast

Standort: New York City, USA

Nice to know: Digg wurde im Juli 2012 an das Investment-Unternehmen Betaworks verkauft und neu aufgesetzt. Einige Patente von Digg gingen an LinkedIn (siehe unten).

banjo

Ebenfalls geo-basiert arbeitet die Social-App banjo. Ist jemand in der Nähe, mit dem man über banjo verbunden ist, wird man benachrichtigt und kann direkt über die eigene App Kontakt zu demjenigen aufnehmen, um sich spontan zu treffen. Ein nützliches Konzept in einer Zeit, in der man sich nur noch selten fest verabredet, sondern sich eher “mal zwischendurch” trifft.

Screenshot banjo

Ist jemand in der Nähe, mit dem man nicht verbunden ist, kann man dies in der App ebenfalls einsehen und denjenigen kontaktieren.

Konzept: geo-basiert (neue) Freunde finden, um sich spontan zu verabreden

Standort: Redwood City, USA

Nice to know: Nach eigenen Angaben gewann banjo rund 3,5 Millionen Nutzer in nur 17 Monaten.

Reddit

Reddit gewinnt sicherlich keinen Design-Preis. Doch der Social News Aggregator hat eine Besonderheit: Textbeiträge und Links können dort, sortiert in Themengebiete, gesammelt und bewertet werden. Wirklich bekannt wurde Reddit insbesondere für eines seiner Themengebiete: In “IAMA” (die Abkürzung für “I am a…, wobei “AMA” gleichzeitig für ask me anything” steht) stellen sich interessante Personen den Fragen der Community. Es nahmen bereits Prominente wie US-Präsident Barack Obama, Microsoft-Gründer Bill Gates und Schauspieler Elijah Wood, der gerade im deutschen Fernsehen mit der neuen Serie “Wilfred” zu sehen ist, teil. Doch auch “IAMA’s” von anderen Personen lesen sich spannend: “IAMA quality controller in China”, “I´m […] developer of the game Vox” oder “I live in Fortaleza, Brazil, where Confederation’s Cup riots amounted to 25000 people, and I saw many things first hand. AMA”.

Screenshot Reddit

Konzept: Social News Aggregator mit der berühmten Kategorie “IAMA”, in der interessante Personen sich allen Fragen stellen

Nice to know: Seit 2008 ist Reddit ein Open Source Projekt.

Highlight

Ebenfalls geo-basiert, benachrichtigt Highlight einen Nutzer, wenn ein anderer in der Nähe ist, der ebenfalls die Highlight-App nutzt. Je nachdem, welche Informationen man freigibt, kann man Personen in der Nähe suchen, die ähnliche Interessen haben, deren Foto nett aussieht oder die ein interessantes “About” eingetragen haben.

Screenshot highlight

Konzept: geo-basierte Kontaktplattform mit Profilen

Standort: San Francisco, USA

Nice to know: Highlight wird von Benchmark Capital, SV Angel, Crunchfund und einigen Angel Investoren finanziert.

Sonar

Geo-basierte Netzwerke liegen offensichtlich im Trend. Wenn Freunde oder Freundesfreunde in der Nähe sind, wird man von der Sonar-App benachrichtigt und kann per Chat und vorformuliertem Gruß schnell und einfach Kontakt aufnehmen. Zudem liefert Sonar Kontext über Freunde in der Nähe, indem es Schnittstellen zu anderen Social Networks wie Facebook nutzt. Sonar-Nutzer, mit denen man nicht befreundet ist, kann man mit einem bewussten Blick in die App aufspüren, wird aber nicht benachrichtigt.

Screenshot sonar

Konzept: Geo-basiert Freunde in der Nähe treffen und finden

Standort: New York, USA

Nice to know: Sonar-CEO Brett Martin war bereits Director von K2 Media und Gründer von Data Owl, dem nach eigenen Angaben ersten automatischen Social Media Monitoring Service für kleine Unternehmen.


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