Sinn und Unsinn der Facebook Hashtags

Bereits seit März diesen Jahres brodelte die Gerüchteküche, ob Facebook tatsächlich diversen anderen Social Networks folgen und das Hashtag einführen würde. Angefacht wurden diese durch einen Bericht des Wall Street Journal, Facebook würde bereits an dieser Neuerung arbeiten. Nun hat Facebook am gestrigen Mittwoch um 19.41 Uhr auf seiner offiziellen Seite die Einführung des Hashtags mit dem gewohnt pathetisch klingenden Titel “Helping People Discover Shared Interests on Facebook” bestätigt. Der Roll-out erfolgt sukzessive.

Das Hashtag soll es Nutzern ermöglichen, sich besser über Echtzeit-Ereignisse zu unterhalten und in eine öffentliche Diskussion einzusteigen. So nennt der Facebook-Post das Beispiel der US-Kultserie “Game of Thrones”, über die sich parallel zur Ausstrahlung der Episode “Red Wedding” 1,5 Millionen Nutzer in Facebook unterhalten hätten.

Mashable zeigt einen ersten Screenshot des neuen Hashtags

Mashable zeigt einen ersten Screenshot des neuen Hashtags

Da das Hashtag klickbar und suchbar sein wird, ergänzt es zudem die etablierte Suchfunktion Facebooks, die mancherorts auf Kritik gestoßen ist. Wie Facebook auf seiner Webseite berichtet, verwendeten ohnehin bereits sehr viele Nutzer das Hashtag, so dass die offizielle Einführung als ein Kind des Nutzerverhaltens dargestellt wird. Inwiefern dies zutrifft vermag wohl nur Facebook selbst zu belegen, doch Fakt ist, dass das nutzerstärkste Social Network den Trend zum Hashtag bisher verschlafen hat – ganz im Gegensatz zu Google+, Pinterest, Tumblr und selbst Instagram, dem Facebook angeschlossenen Bilder-Dienst.

 

Warum das Hashtag?

Ursprünglich der Vorschlag des Internetpioniers Chris Messina, hat sich das Hastag von Twitter ausgehend über beinah jedes große Social Network verbreitet. Es ermöglicht die Teilnahme an einer öffentlichen Diskussion mit Hilfe nur eines Schlagwortes. Durch die Such-Funktion des Hashtags können aktuelle Themen durchstöbert werden, wodurch man nicht selten auf interessante Nutzer stößt, von denen man mehr lesen möchte.

Der Internetpionier Chris Messina schlug in einem Tweet vom 23. August 2007 vor, das #-Zeichen für Gruppen zu verwenden. Bereits zuvor wurde das Raute-Symbol vom Chat-System IRC für die Bezeichnung von Channel-Namen verwendet, und auch von Telefontastaturen ist es bekannt. Doch erst auf Twitter schlug die Idee ein, so dass das Hashtag nach einiger Zeit in den Algorithmus Twitters übernommen wurde und heute nicht mehr wegzudenken ist. Nachdem Facebook nun nachgezogen hat, gibt es kaum noch ein nutzerstarkes Social Network, welches das Hashtag nicht verwendet.
Chris Messina erster Hashtag Tweet

Auch in den klassischen Medien hat sich das Hashtag längst verbreitet. In den Hauptnachrichten im Fernsehen werden Nutzerkommentare von Twitter gezeigt, Fragen können an Fernsehsendungen oder Unternehmen gestellt werden. Berühmt geworden ist das Hashtag #aufschrei in Verbindung mit der öffentlichen Diskussion um sexuelle Belästigung, die ihren Weg von den Social Networks in die klassischen Medien gefunden hat und hunderte Male zitiert wurde. Doch auch der umgekehrte Weg ist möglich: So sieht man am Ende der TV-Werbung für “beatspill”, einen Mini-Lautsprecher, groß den Schriftzug #beatspill. Die Taktik ist aufgegangen, das Hashtag wird auf Twitter genutzt – auch, wenn viele Kommentare lauten: “Das Ding sieht aus wie ein Dildo!”

 

Lob und Kritik

Die Meinungen über Facebooks Hashtag-Vorstoß gehen weit auseinander – auch unter Experten. Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Neuerung wird in Blogs, auf Nachrichtenportalen, in Foren geführt – und natürlich auf Twitter unter dem
Hashtag #facebookhashtags.

Lob

Lob für das Hashtag auf Mashable

Lob für das Hashtag auf Mashable

Natürlich ermöglicht das Hashtag es den Nutzern, sich in Echtzeit über Geschehnisse auszutauschen. So wird Facebook vom Online-Poesiealbum zum interessanten Medium für real-time Kommunikation. Vielleicht verbindet das Hashtag Nutzer sogar – ich persönlich sehe mir oft den Twitter-Stream für ein interessantes Hahstag an und folge Personen, die Sinnvolles posten. Das Potential ist sicher groß; nicht mehr von Facebook zu Twitter wechseln zu müssen, um livetickerartig Nachrichten zu erhalten, klingt verlockend. Und es hätte den Nebeneffekt, das Nutzer mehr Zeit auf Facebook verbringen (in der sie mehr Werbung sehen).

Facebook, die Eier legende Wollmilchsau. Oder war es lediglich der Zwang der anderen Netzwerke?

Ebenfalls ein Lob auf Mashable

Ebenfalls ein #-Lob auf Mashable

Kritik

Negativ sieht das Hashtag diese Nutzerin - gepostet unter der offiziellen Ankündigung

Negativ sieht das Hashtag diese Nutzerin – gepostet unter der offiziellen Ankündigung

Andere lassen verlautbaren, dass Facebook mit wenig Erfolg Twitter nachahmt. Facebooks Stärke war bisher seine Medienvielfalt, die Chat-Funktion und die integrierten Apps. Für aktuelle Nachrichten, gerade branchenspezifische, war bisher Twitter das Mittel der Wahl. Darauf ist es ausgerichtet. Auch die Stimme, dass Facebook den Hashtag-Trend schlichtweg verschlafen hat, ist zu hören. Selbst der Facebook-eigene Bilder-Dienst Instagram nutzt Hashtags seit einiger Zeit, und wenn Facebook tatsächlich seit März am Roll-Out des Hashtag gearbeitet hat, wie das Wall Street Journal berichtete, wäre das ein Trauerspiel.

Kurze Kritik am Hashtag auf Mashable

Kurze Kritik am Hashtag auf Mashable

Nicht zuletzt wird Facebook, welches das Netzwerk mit den wohl vielfältigsten Werbemöglichkeiten ist, ein Hintergedanke bei der Einführung der Hashtags unterstellt: Einerseits könnte man sie vielleicht kaufen, um wie bei Twitter seine Kampagne zu einem trendigen Thema zu machen. Andererseits sind die Hashtags natürlich ideal, um noch mehr Nutzerdaten zu sammeln, die dann für personalisierte Werbung eingesetzt werden können. Facebook, die Datenkrake, die ihre Tentakel immer weiter ausbreitet?


» Was ist wirklich guter Content?
» Werden Links von starken Webseiten sterben?