Online-Marketing in Spanien und Deutschland: Interview mit Carolina Schmidt

Portrait Carolina SchmidtWas assoziieren Sie mit Spanien? Vermutlich Tapas, das warme Klima, das Meer – Urlaubsgefühle. Doch was, wenn Sie weiterdenken? Die Schuldenkrise, eine hohe Arbeitslosigkeit vor allem bei der Jugend und vielleicht das penetrante Vorurteil, die Spanier stellten das gänzliche Gegenkonzept zum preußischen Fleiß dar. Ob dies zutrifft oder nicht, kann uns unsere Kollegin Carolina Schmidt sagen: Sie lebte und arbeitete für ein Jahr in Spaniens Hauptstadt Madrid, zog 2005 nach Deutschland und setzte hier ihre Karriere als Online Marketerin erfolgreich fort. Seit Mai 2013 hospitiert sie im Rahmen ihrer IHK-Fortbildung zur Social Media Managerin bei RankSider und pflegt hier die Beziehungen zu unseren Kooperationspartnern in Spanien, um RankSider.es weiter voran zu bringen.

 

Es gibt Menschen, die einfach immer Freundlichkeit und Wärme ausstrahlen, egal ob man sie vielleicht gerade aus ihrem Gedankengang reißt oder sie auf dem Sprung sind und eigentlich garkeine Zeit haben. Solch eine Person ist meine Kollegin Carolina Schmidt eindeutig, das merkt man schnell, wenn man sie trifft. Sie hat ein gewisses Leuchten in den Augen, wenn sie begeistert über die neuesten positiven Kommentare auf Facebook oder eine aktuelle, interessante Studie spricht. Ich weiß nicht, wie man sich eine solche Begeisterungsfähigkeit und positive Ausstrahlung erhalten kann, doch Carolina hat es geschafft. 
 
Ich freue mich, dass ich dich zum Thema Online Marketing in Spanien und Deutschland befragen darf. Du hast in Caracas, Venezuela, als Marketerin mit den Schwerpunkten Internationales Marketing, Kommunikation und Crossmedia gearbeitet. Wie kamst du Ende 2004 nach Spanien?

“Ich habe in Caracas unter anderem crossmediale Kampagnen betreut, undzwar von der Planung über die Durchführung bis hin zum Monitoring. Dabei habe ich Elemente des Social Media, die damals noch recht neu waren, in eine klassische Marketing-Strategie integriert und hatte damit großen Erfolg. Vor allem eine spezielle E-Mail-Kampagne verlief sehr gut, so dass ich danach ein Jobangebot aus Madrid erhalten habe, das ich nicht ablehnen konnte.” (lacht) 

Du hast dich entschlossen, dieses Angebot anzunehmen und von Venezuela nach Madrid zu gehen. Welche Mentalität hast du dort erlebt und wie interagiert man in der Online-Branche Spaniens?

“Es fiel mir nicht schwer, mich in Spanien einzuleben. Die Mentalitäten der Spanier und Lateinamerikaner sind ähnlich, wir sind offen, zugänglich und ausgesprochen kommunikativ. Auch im Geschäftsleben. Wobei ich sogar sagen würde, dass die Spanier im Geschäftsleben noch lockerer sind als ich es aus Venezuela gewohnt war.

ZitatDie Lockerheit und Offenheit zeigt sich in vielen Punkten: Man wird schnell geduzt, oft schon in der zweiten Mail. Die Hierarchien sind nicht so stark ausgeprägt, man duzt zum Beispiel auch höhere Manager. Natürlich hat man trotzdem Respekt, aber diese hierarchische Struktur ist eben nicht so ausgeprägt. Man wechselt auch schnell vom Formellen zu einem vertrauteren Umgang, und auch Scherze sind erlaubt. Ein Beispiel: In einer Facebook-Umfrage wollte ich herausfinden, welche Komponenten des Online-Marketings den Usern am wichtigsten sind. Eine spanische Nutzerin antwortete in den Kommentaren: ‘Pommes mit Chorizo’. Solch lockere Umgangsformen mit informellen Zügen findet man in Deutschland eher nicht.” 

Damit sind wir schon beim Thema Social Media. Gilt diese Offenheit und Lockerheit der Spanier auch für ihre Nutzung von Facebook und Co.?

“Ja, absolut. Ich glaube, generell wirkt sich die kulturell geprägte Mentalität immer auch auf das Geschäftsleben aus. Deshalb ist die Kommunikation in den sozialen Netzwerken in Spanien auch locker, offen und wird schnell vertraulich. Vertraulich ist gut, ich würde sogar sagen, sie basiert auf einem gewissen Vertrauen zu einander. Und soziale Netzwerke spielen in Spanien sowieso eine große Rolle: Neulich habe ich erst eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit gelesen, die besagte, dass die Anzahl der Nutzer sozialer Plattformen in Spanien deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt.”

Expertentipps für Ihren Erfolg in Spanien:

Bauen Sie eine persönliche Beziehung zu Ihren Geschäftspartnern auf!

Kommunzieren Sie locker und offen.

Sprechen Sie Spanisch, auch wenn es nicht perfekt ist.

Seien Sie präsent in Facebook, Twitter und – wichtig – in tuenti!

Seien Sie locker und kommunikativ, sowohl zu Partnern als auch innerhalb Ihres Teams.

Spanier lesen lieber Texte mit einigen Bildern, als sich nur Bilder und Videos anzusehen!

 Wenn du einem Unternehmen, das sich in Spanien etablieren möchte, Tipps geben
solltest – welche wären das?

“Zunächst muss man bedenken, dass sich die spanische Kultur extrem von der Deutschen unterscheidet. In Spanien basieren Geschäftsbeziehungen stark auf gemeinsamen Interessen und persönlichen Beziehungen. Deshalb: Trennen Sie Privat- und Geschäftsleben nicht zu stark von einander! Es ist üblich, mit Geschäftspartnern etwas essen oder trinken zu gehen. Nicht, um Entscheidungen zu treffen, sondern, um einfach die Beziehung zu stärken.

Ausländer, die in Spanien erfolgreich sein wollen, müssen sich öffnen und lockerer kommunizieren – am besten in Spanisch. Besser, Sie sprechen Spanisch und machen dabei Fehler, als nur Englisch zu sprechen! Die Spanier sind tolerant, auch was ihre Sprache angeht. Wenn Sie Fehler machen, wird man Ihnen helfen. Haben Sie also keine Scheu! Es ist zum Beispiel auch üblich, dass man als Unternehmen seine Facebook- oder tuenti-Freunde und Follower mit ‘Amigos’ – ‘Freunde’ – anspricht.

Überhaupt nutzen Spanier sehr gern soziale Netzwerke. Dabei ist Facebook natürlich wichtig, aber auch Twitter und tuenti, ‘das Facebook Spaniens’, welches am vierthäufigsten genutzt wird. In tuenti sind vor allem Jugendliche aktiv – und die sind ja bekanntlich die Zukunft.

Ganz generell sind die Menschen auch hier locker und kommunikativ, es wird geduzt und auch mit Unternehmen wird auf diese Weise kommuniziert.

Innerhalb des Teams einer Firma steht die Kommunikation und Teamarbeit sehr im Vordergrund, auch das sollte man erwähnen.” 

Im Jahr 2005 bist du aus privaten Gründen nach Deutschland gezogen und arbeitest hier weiterhin im Marketing mit Schwerpunkt Social Media und internationaler Kommunikation. Glaubt man den Klischees, sind wir Deutschen ja nun alles andere als locker und offen. Wie ist deine Erfahrung?

Zitat“Also, mir ist es eher leicht gefallen, mich in Deutschland einzuleben. Auch, wenn die Kultur wirklich ganz anders ist. Aber das liegt auch daran, dass ich schon in Venezuela viel mit deutschen Unternehmen zusammengearbeitet habe und auch in Madrid immer Kontakt zur deutschen Kultur hatte. Die Deutschen lieben es sehr, zu planen und zu analysieren – das habe ich hier gelernt: mich in andere hineinzuversetzen, oder in Marketingsprache ausgedrückt: meine Zielgruppe sehr genau zu analysieren. Ich würde sagen, ein Teil von mir hat sich eingedeutscht. Ich konnte mich schon immer schnell anpassen, vielleicht ist das auch ein Teil der lateinamerikanischen und spanischen Kultur – eben flexibel und improvisationsfähig zu sein. Meine Persönlichkeit ist inzwischen auf jeden Fall von beiden Kulturen geprägt – der spanischen und der deutschen.” 

Wie sind deine Zukunftspläne?

Meine IHK-Weiterbildung zur Social Media Managerin ist bald abgeschlossen – das ist auch ein Punkt, in Deutschland möchten die Unternehmen gern Urkunden und Zeugnisse sehen. Gern würde ich mich im Bereich Internationales Marketing weiterbilden. Es reizt mich sowohl, Projektarbeiten für verschiedene Firmen zu übernehmen, als auch, dauerhaft für ein Unternehmen zu arbeiten. Auf jeden Fall würde ich gerne deutsche Unternehmen unterstützen, die Beziehungen nach Spanien aufbauen möchten.

Vielen Dank für dieses spannende Interview! Wer sich mit Carolina Schmidt unterhalten möchte, kann ihr bei Twitter unter @Carito_Schmidt folgen. Das Interview wurde durchgeführt von Anne Grüner.


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