Nicht jede ccTLD ist gut fürs Ranking!

Offensichtlich bewertet Google das Ranking einer Website auch danach, welche Art von ccTLD sie verwendet: In einem neuen Webmaster Help Video beantwortet Matt Cutts die Frage, ob es sinnvoll ist, ccTLDs (also Country Code Top Level Domains wie .de oder .com) für Webseiten zu verwenden, die jedoch nicht auf die jeweiligen Ländern optimiert sind. Beispielsweise nutzt YouTube die Adresse youtu.be – also die ccTLD von Belgien, ist aber natürlich nicht speziell auf belgische Nutzer optimiert.

http://www.youtube.com/watch?v=yJqZIH_0Ars

In Kürze zusammengefasst sagt Matt Cutts, dass Google zwischen zwei verschiedenen Arten von ccTLDs unterscheidet: generische ccTLDs (im Englischen “generic ccTLDs”), welche ohnehin von vielen Webmastern für internationale Zwecke verwendet werden, und nicht-generische ccTLDs. Bei der Verwendung von generischen ccTLDs besteht laut Cutts keine Gefahr. Verwenden Webmaster hingegen nicht-generische ccTLDs, zielen aber dennoch geografisch nicht auf das jeweilige Land ab, kann es sein, dass die Sichtbarkeit dieser Webseiten nur in den korrespondierenden Google-Suchen gut ist und sonst eher schlecht. Das bedeutet: Besitze ich eine Seite www.beispiel.be, die ich jedoch nicht geografisch auf belgisches Publikum abgestimmt habe, sondern auf das Deutsche oder sie international betreibe, könnte es sein, dass ich nur in Google.be ein gutes Ranking habe und in Google.de oder Google.com gerade nicht.

Die Quintessenz heißt also: Verwende entweder generische ccTLDs oder nicht-generische, die dann jedoch zur geografischen Ausrichtung passen müssen.

 

Welche ccTLDs sind generisch?

Google hat eine Liste der ccTLDs veröffentlicht, die als generisch gelten und daher international verwendet werden können, ohne dass die Sichtbarkeit der entsprechenden Webseiten in länderspezifischen Suchmaschinen eingeschränkt ist. Diese Liste enthält derzeit 20 generische ccTLDs, welche lauten:

  • .ad
  • .as
  • .bz
  • .cc
  • .cd
  • .co
  • .dj
  • .fm
  • .io
  • .la
  • .me
  • .ms
  • .nu
  • .sc
  • .sr
  • .su
  • .tv
  • .tk
  • .ws

 

Generische ccTLDs haben sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet, da sie gern für so genannte Domain Hacks verwendet werden. Dabei komplettiert die TLD den Webseiten-Namen, wie es beispielsweise bei youtu.be, fold.it oder goo.gl der Fall ist.

Anmerkung: Google weist deutlich darauf hin, dass sich diese Liste in Zukunft verändern kann. Schließlich wurde die aktuelle Liste aus verbreiteten Gewohnheiten von Webmastern kreiert – ändern diese in großer Zahl ihre Gewohnheiten, müsste auch die Liste aktualisiert werden. Die neueste Version findet sich immer hier.

 

Der Unterschied zwischen generisch und nicht-generisch

Generische ccTLDs sind laut Google international einsetzbar und können theoretisch gleich gut in allen länderspezifischen Suchmaschinen ranken. Um dennoch ein Publikum geografisch einzugrenzen, kann in den Webmaster Tools eine geografische Ausrichtung der Webseite eingetragen werden. Dies zeigt Google, auf welche Region eine Webseite abzielt und für welche Nutzer sie daher besonders relevant ist. So kann sich unter Umständen das Ranking der Webseite beispiel.com für die länderspezifische Suchmaschine Google.uk verbessern, wenn in den Webmaster Tools Großbritannien als geografische Ausrichtung hinterlegt wurde.

 

Falls für eine Webseite mit generischer ccTLD keine geografische Ausrichtung in den Webmaster Tools hinterlegt ist, entscheidet Google anhand von IP-Adresse, Standortinformationen auf der Webseite, Herkunft der Links zur Webseite und Informationen aus Google+ Local, für das Publikum welchen Landes die Webseite besonders relevant ist.

 

Nutzt man eine nicht-generische ccTLD, bestimmt Google anhand dieser, welche geografische Eingrenzung vorliegt. Dies kann nicht manuell angepasst werden.

 

Nun könnte die Frage aufgeworfen worden sein, wieso youtu.be nach den eben geschilderten Erkenntnissen keine eingeschränkte Sichtbarkeit in länderspezifischen Suchmaschinen wie Google.uk oder Google.de hat. Die Antwort ist simpel: youtu.be leitet auf youtube.com weiter – und .com wird von Google als generische ccTLD gelistet. Eine solche Weiterleitung einzurichten, ist demnach ebenfalls eine Möglichkeit, um einerseits eine kurze und außergewöhnliche URL zu besitzen, aber dennoch nicht das Risiko einzugehen, möglicher Weise an Sichtbarkeit zu verlieren.

 

International sichtbar trotz nicht-generischer ccTLD

Anhand einiger Beispiele lässt sich sinnvoll zeigen, welche Möglichkeiten Webmaster haben, um es Google auch bezüglich ihrer ccTLDs Recht zu machen:

 

Ich betreibe die Webseite eines Hotels, welches in Deutschland sitzt, daher lautet meine ccTLD “.de”. Ich möchte jedoch vor allem spanische und lateinamerikanische Gäste ansprechen. Da ich durch meine .de-ccTLD in den Augen Googles vor allem für deutsche Nutzer relevant bin, ist meine Sichtbarkeit in Google.es (Spanien), Google.mx (Google Mexico) usw. unter Umständen eingeschränkt.

 

Da ich dort jedoch sichtbar sein möchte und die geografische Ausrichtung nicht in den Webmaster Tools ändern kann, bleiben mir folgende Möglichkeiten, um durch Country Targeting Nutzer aus bestimmten Ländern anzusprechen:
a) Ich registriere für mich eine generische ccTLD, z.B. beispielhotel.com, und leite von meiner .de-ccTLD auf diese um. Ich nutzte nicht beide Webseiten parallel mit dem gleichen Content, da so Duplicate Content entstehen würde, gegen den Google vorgeht.
b) Ich registriere für die Länder, die in meine Zielgruppe fallen, jeweils eine ccTLD, also z.B. beispielhotel.es und beispielhotel.mx und versuche, mit diesen Webseiten in den jeweiligen Suchmaschinen zu ranken.
c) Ich verwende eine Sub-Directory, also z.B. beispielhotel.de/es oder beispielhotel.de/mx. So muss ich keine einzelnen Webseiten zum Ranken bringen, sondern kann die verschiedenen Sprachen in meine Seitenstruktur einbinden. Dennoch signalisiere ich Google, dass beispielhotel.de/es relevant für Nutzer von Google.es ist.

 

Country Targeting auch bei generischen ccTLDs

Es scheint, als wäre es die sorgenfreiste Variante, eine generische ccTLD zu nutzen. Doch auch für diese sollte Country Targeting betrieben werden, um geografisch festgelegte Zielgruppen anzusprechen. Wenn es sich aufgrund Ihres Produktes, Ihrer Ressourcen und Ausrichtung anbietet, Country Targeting zu betreiben, sollten Sie dies mit Hilfe von nicht-generischen ccTLDs oder Sub-Directories umsetzen, um in länderspezifischen Suchmaschinen zu ranken. Ist es für Sie jedoch nicht sinnvoll, Country Targeting zu betreiben (z.B. weil Ihr Produkt nur im heimischen Markt Sinn macht, weil Sie nicht über die nötigen Ressourcen verfügen oder, weil Sie sich generell auf Ihren heimischen Markt beschränken möchten), sollten Sie dennoch Language Targeting in Betracht ziehen. Ihren Content mit Hilfe von Sub-Directories oder Sub-Domains (z.B. es.beispielhotel.de) auf fremdsprachige Nutzer anzupassen, kann durchaus sinnvoll sein – vor allem, wenn es der Vorbereitung auf späteres Country Targeting dient.

 

Welche ccTLD für wen?

Zusammenfassend lässt sich in etwa eingrenzen, für welche Webseiten generische ccTLDs Sinn machen und welche ggf. nicht-generische bevorzugen sollten:

 

Generische ccTLDs schränken die Sichtbarkeit der Webseite in länderspezifischen Suchmaschinen nicht ein, daher eignen sie sich besonders für internationale Webseiten. Falls eine generische ccTLD verwendet wird und dabei ein Markt besonders angesprochen werden soll, kann dieser in den Webmaster Tools angegeben werden.

 

Nicht-generische ccTLDs können unter Umständen in den jeweiligen länderspezifischen Suchmaschinen besser ranken, doch haben sie es dafür in nicht passenden länderspezifischen Suchmaschinen schwerer. Hier sollte Country Targeting mit Hilfe von eigenständigen nicht-generischen ccTLDs oder Sub-Directories betrieben werden. Beginnen können Webmaster zunächst auch mit Language Targeting durch Sub-Domains oder Sub-Directories. Unterlassen sollten Webmaster mit nicht-generischen ccTLDs es laut Matt Cutts, zu versuchen, mit diesen in länderspezifischen Suchmaschinen zu ranken, die nicht zur ccTLD passen.


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