Inspirationen für Querdenker: Unkonventionelles Marketing

Nicht immer muss man die gewöhnlichen Wege gehen. Gerade das Neue, Ungewöhnliche und vielleicht Strittige übt oft einen starken Reiz aus. Man könnte sagen, dass es grundlegend immer zwei Spielarten gibt: Die nach den Spielregeln und die Unorthodoxe. So auch im Social Media.

Die unorthodoxe Variante kann problematisch werden – doch sie kann auch großen Erfolg bringen. Im richtigen Maß eingesetzt, sind quer gedachte Aktionen und coole Webseitenelemente, die dem Nutzer (und nur dem Nutzer) einen spannenden Mehrwert bieten, genau die richtige Erfolgsstrategie. Auch, wenn sie nicht mit den Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung oder klassischen Marketing-How-To´s überein stimmen.

Kontra geben

Marketing, insbesondere Social Media Marketing, muss nicht immer aus steifen, überdachten Formulierungen und von langer Hand geplanten Strategien bestehen. Den besten Beweis dafür, dass sich der Mensch hinter dem Twitter-Account während der Arbeitszeit nicht unbedingt in einen Roboter verwandeln muss, lieferte kürzlich T-Online – und schaffte es mit einigen hitzigen Tweets sogar in die Ausgabe der “Welt kompakt” (zwei mal).

Die Vorgeschichte: Der Twitter-Account @griesgraemer, bekannt für Stenker-Tweets, hatte auf Instagram über Twitter den Screenshot einer Mitteilung von T-Online an ihn gepostet. Inhalt: Die Volumengrenze ist überschritten, daher wird die Geschwindigkeit reduziert. Die Antwort des Griesgrämers, ebenfalls auf dem Screenshot zu sehen, lautete: “Leckt mich am Arsch, ihr Penner!”

Daraufhin meldete sich der Telekom-Account @Telekom_hilft bei Griesgrämer und alles nahm seinen Lauf:

Screenshot: Streitgespräch zwischen Telekom und Griesgrämer

Über dieses Wortgefecht berichtete bald auch Stern Online, was dem netten Griesgrämer weiteren Stoff zur Auseinandersetzung lieferte:

Screenshot: Streitgespräch zwischen Stern und Griesgrämer

Die Reaktionen der Netzgemeinde: Positiv. Der Nachhall war eindeutig. Endlich mal etwas Frisches von der Drosselkom! Fast einhellig wurde die Telekom für diese menschliche und wirklich witzige Reaktion gelobt. So schaffte sie es sogar in die “Welt kompakt”:

Bild Welt kompakt Griesgrämer und Telekom

Griesgrämer selbst postete die Reaktionen der “Welt kompakt” auf sein Wortgefecht

 

Nutzer anleiten – aber modern

Content Marketing bietet Nutzern echten Mehrwert. Dies kann in Form von Blogposts und How-To´s geschehen – doch auch die moderne Variante existiert: Ein gutes Beispiel hierfür ist die Kosmetik-Marke Maybelline, die mit ihrer “Make-up School” sehr erfolgreich schlaues Content Marketing mit Synergie-Effekten betreibt. Beim Styling von Models nutzt Visagist Bors Entrup, bekannt aus dem erfolgreichen TV-Format “Germany´s Next Top-Model”, ganz selbstverständlich Maybelline-Produkte und zeigt dabei, wie Frau sich richtig hübsch macht. Inzwischen wurde dieses Service-Angebot deutlich ausgebaut und enthält nicht mehr nur Videos mit Anleitungen, sondern auch Farb- und Typ-Beratungen – sowie die Funktion “Create Your Look”, welche es Frau ermöglicht, ihr Foto hochzuladen und direkt online Lidschatten, Rouge und Co. aufzutragen, um zu sehen, ob die Farben zu einem passen. Alternativ ist dies auch anhand vorgefertigter Model-Bilder möglich.

Screenshot der Maybelline Webseite: Create your Look

Ähnliches Prinzip: Auf der Webseite von H&M kann man sich im “Ankleideraum” virtuell einkleiden – und dabei direkt den Gesamtpreis sehen. Damit man dabei keinen Schock erleidet, sind auf der Startseite des Ankleideraumes natürlich vor allem Sale-Artikel zu finden. Durchdacht ist die Umkleide ohne Schweißgeruch und Menschenschlangen definitiv – man kann seinen ausgewählten Look von allen Seiten betrachten, anschließend speichern, mit Freunden teilen, das Model und den Hintergrund ändern – und natürlich das gesamte Outfit direkt kaufen.

hm

 

Newsjacking

Eine aufwendige, aber publicityreiche Methode, modernes unkonventionelles Marketing zu betreiben, ist Newsjacking. Eine Nachricht oder ein kursierender Trend wird aufgegriffen und möglichst schnell für die eigenen Zwecke genutzt, um sich selbst in die öffentliche Diskussion einzubringen und bestenfalls fester Bestandteil dieser zu werden. Paradebeispiel: Sixt, die Merkels Aufruhr verursachenden Ausspruch, das Internet sei für alle “Neuland”, innerhalb kürzester Zeit aufgegriffen und geschickt vermarktet haben. Zeitweise war Sixt deutlicher Inhalt der Tweets mit dem Hashag #Neuland als Merkel.

Sixt-Kampagne zu "Neuland"

Die Sixt-Werbung zu #Neuland

 

Einfach etwas Cooles machen

Nicht immer muss die Werbebotschaft klar im Vordergrund stehen! Auch hintergründig, zum Beispiel durch die Verwendung eines Produktes und Metaphern, kann Aufmerksamkeit erzeugt werden. Vor allem, wenn Nutzer aktiv an einem Internetangebot teilnehmen können.

Screenshot: interaktives Video von Tipp-Ex

Unter tippexperience findet sich ein interaktives Video, dessen Inhalt man selbst bestimmen kann. Das Video startet, der Jäger will den Bär nicht jagen und löscht mit Tipp-Ex das entsprechende Wort aus dem Video-Titel. An dessen Stelle können Sie nun ein beliebiges Verb setzen – und zusehen, wie der Jäger Ihren Befehl ausführt. Testen Sie es ruhig aus!

 

Infos für jede Lebenslage

Geschickt kombiniert Pampers.de ein reichhaltiges Informationsangebot mit Werbung für das eigene Produkt. So kann man den Regler auf der Webseite zum Alter seines Kindes bewegen und findet dort die passenden Informationen. Aus SEO-Sicht ist dies nicht die beste Lösung – doch es ist ein modernes Angebot für den Nutzer. Die zusätzliche Navigation über “Themen” bietet weitere Informationen rund um Baby, Mutter und Gesundheit.

Pampers: Gutes Content Marketing

Mehrwert über das exakt eingegrenzte Thema der Webseite hinaus bietet auch McDonalds. Um dem Image des nicht ganz so ungesunden Fast Foods gerecht zu werden, kann man sich auf deren Webseite sein Menü zusammen stellen und die Kalorien ausrechnen lassen.

Screenshot McDonald´s Kalorienzähler

 

Sicherlich sind aufwendig programmierte User-Interface-Elemente wie bei H&M, ein so reichhaltiges Informationsangebot wie bei Pampers oder ein Video-Projekt wie das mit Bär und Jäger nicht die optimale Methode für kleinere Start-ups. Doch auch solche Unternehmen können sich an diesen Vorbildern ein Beispiel nehmen und sich inspirieren lassen. Lassen Sie Ihre Ideen fließen, denken Sie in ungewöhnlichen Bahnen und brechen Sie auch mal mit den altbekannten Grundregeln – dann haben auch Sie die besten Chancen, mit Ihrem Projekt ein kleiner Internetstar zu werden.


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