Insights in die Startup-Szene: Interview mit Manuel Schoebel, Berater an der Uni Duisburg-Essen

Portrait Manuel SchoebelEin eigenes Unternehmen zu gründen, ist der Traum vieler Menschen. Endlich sein eigener Chef sein, seine eigenen Ideen verwirklichen, gutes Geld verdienen – erfolgreich sein mit einer Idee, die schon lange Zeit in einem heranwuchs.
Doch für die meisten bleibt dieser Traum unerfüllt. Es fehlt am Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, an den finanziellen oder technischen Voraussetzungen, am Know-How oder die privaten Rahmenbedingungen erlauben es nicht. Selbst von den wenigen Mutigen, die sich für die Gründung eines eigenen Unternehmens entscheiden, sieht die Perspektive scheinbar düster aus: „Von zehn Start-ups verschwindet über die Hälfte und nur eines wird ein Riesenerfolg.”, sagt Alexander Hüsing, Gründer von deutsche-startups.de, in einem Interview mit dem Tagesspiegel.
Ist es also blanker Wagemut, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Nein, sagt Manuel Schoebel, Startup-Berater und selbstständiger Programmierer. Bereits während seines Studiums gründete er sein erstes Startup und berichtet heute über seine Erfahrungen mit dem Scheitern und Siegen.

Manuel Schoebel, Gründer und Webentwickler, hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen studiert und sich auf eBusinesses und Entrepreneurship spezialisiert. Bereits während seines Studiums gründete er, gemeinsam mit einem Partner, ein Unternehmen für Content-Erstellung im eLearning-Bereich. Warum dieses Vorhaben scheiterte und was er daraus lernte, darüber spricht Manuel mit mir im exklusiven Interview. Heute ist Manuel als selbstständiger Webentwickler tätig und ist unter anderem für die technische Weiterentwicklung von RankSider zuständig. Zusätzlich berät und unterstützt er junge Gründer auf ihrem Weg hin zu einem funktionierenden Unternehmen. Es ist nicht schwer, Manuel zu glauben, dass er mit seiner positiv ruhigen, lockeren und doch wohl bedachten Art bereits eine Vielzahl an Gründern auf einen guten Weg bringen konnte.
 

Manuel, du berätst heute Startups unter anderem im startUP-Büro der Universität Duisburg-Essen. Was motiviert dich, immer wieder aufs Neue junge Gründer zu beraten?

Ich habe selbst, gemeinsam mit einem Partner, im Studium ein Startup gegründet. Das war super spannend, gerade in der frühen Phase, als wir ein Gründerstipendium erhielten, aber irgendwann war die Luft raus. Das eLearning ist sicher ein Zukunftsmarkt, aber es benötigt viele Ressourcen. Die Idee und das Konzept waren super – aber ich habe damals nicht gewusst, wie viel Aufwand hinter den Plänen stehen würde, die wir damals hatten. Nach knapp zwei Jahren haben wir uns dann entschieden, das Startup aufzugeben. Man kann schon sagen, dass es gescheitert ist. Seitdem bin ich als selbstständiger Webentwickler tätig und berate Startups, weil mich das Thema immer noch sehr interessiert und ich mich intensiv damit beschäftige.Durch die Arbeit mit Startups aus den verschiedensten Branchen bekomme ich natürlich auch wahnsinnig viel Input.
 

Welche positiven Erfahrungen konntest du bei deiner Arbeit mit Startups sammeln?

Vor allem die, dass das Internet-Geschäftsfeld auf eine ganz bestimmte Weise funktioniert. Auch die Abhängigkeiten der einzelnen Akteure im Internet sollte man unbedingt kennen, wenn man mit oder an einem Startups arbeitet. Natürlich ist es auch immer sehr spannend, verschiedene Branchen und Spezialisierungen kennen zu lernen. Man lernt dadurch unterschiedliche Herangehensweisen kennen, um etwas aufzubauen. Das sind die wichtigsten Dinge, die ich aus der Arbeit mit Startups mitgenommen habe.
 

Benötigen Startups überhaupt eine Beratung?

“Ein klassischer Unternehmensberater würde bei einem Internet-Startup (…) die Hände über dem Kopf zusammen schlagen!”

Auf jeden Fall. Wobei es darauf ankommt, wer berät, in welcher Branche das Startup ist, was es an wen verkaufen will und so weiter. Eine klassische Unternehmensberatung für ein Startup sehe ich schwierig, weil man Startups einfach kennen muss. Ein klassischer Unternehmensberater würde bei einem Internet-Startup wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen! Er würde etwas sagen wie: ‘Ihr braucht erstmal Flyer und Visitenkarten!’, aber gutes Startup-Marketing sieht eben anders aus und in Startups geht es eben manchmal etwas chaotisch zu. Am wichtigsten ist die intensive Beschäftigung mit dem Startup und allem, was dazu gehört. Danach steht natürlich das produktive Umsetzen der Idee an erster Stelle.
 

Gibt es denn eine zeitliche oder am Prozess orientierte Grenze, ab wann Beratung Sinn ergibt, und ab wann nicht mehr? Sollte auch ein drei Jahre altes Startup noch Beratung in Anspruch nehmen?

Ob ich eine Beratung brauche, hängt davon ab, wie weit ich selbst bin. Man muss sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, um am besten alles zu wissen und zu können. Dann muss man sehen, wo man Unterstützung oder Beratung bräuchte. Wir hätten damals zum Beispiel jemanden gebraucht, der uns vor allem kritisch hinterfragt und nicht einfach so zwei Jahre weiter werkeln lässt. Es kommt also ganz darauf an.

“Wir hätten damals jemanden gebraucht, der uns (…) kritisch hinterfragt (…).”

Grundsätzlich ist es ganz normal, dass sich immer neue Fragen stellen, immer aufbauend auf dem letzten Schritt. Und für diese Fragen ist ein Berater natürlich gut, egal, wie alt das Startup ist und wo ich gerade damit stehe. Aber wenn ich nach drei Jahren frage, was eigentlich gutes Startup-Marketing ist, ist das ein schlechtes Zeichen. Ich würde sogar sagen, dass, wenn Siemens jetzt ein Internet-Projekt starten würde, sie auch eine darauf zugeschnittene Beratung bräuchten.
 

Wo setzt du an, wenn du ein junges Startup berätst?

Als erstes muss man als Gründer seine Idee kritisch hinterfragen. Dann muss man sich fragen: ‘Wie fange ich mit dieser Idee an? Ist sie vielleicht zu groß, ist es zu viel?’ Und dann erst beginnt der Weg hin zur Umsetzung. Dieser Weg übrigens sollte so sein, dass er mich durch kleine Teilerfolge motiviert, weiter zu machen. Ab hier kann man keinen Plan für eine Beratung mehr aufstellen, man muss flexibel auf die Entwicklungen im Startup reagieren.
 

Rund 32% der deutschen Gründungen überleben die ersten vier Jahre nicht (Quelle: Blog der Wirtschaftswoche). Woran liegt das? Ist der deutsche Markt schwierig, sind es die Geschäftsführer oder die Ideen?

“Es ist (…) Übungssache und man kann es lernen.”

Mit dem Markt hat das nichts zu tun. Und zu den Zahlen: Es gibt viele Zahlen über Startups, auch sowas wie ‘8 von 10 Startups funktionieren nicht’. Es kann einfach nicht sein, dass alle Startups funktionieren. Ich bin Gründer, gründe und werde an der einen oder anderen Stelle scheitern. Das ist aber nicht schlimm! Es ist eine Übungssache und man kann es lernen. So starten viele Leute ein Startup, scheitern damit und gründen nach einger Zeit das nächste. Das kann natürlich kostspielig sein, aber dann muss eben schnell viel lernen und viel üben.
 

Gibt es gute und schlechte Motive dafür, zu gründen?

Nunja, ich beschäftige mich nur mit Gründungen, die geschehen, weil die Gründer gründen wollen. Lacht. Aber ich glaube nicht, dass es hierüber spezifische Statistiken gibt. Gefragt nach dem schlechtesten Motiv, zu gründen.. Was kann überhaupt ein schlechtes Motiv sein? Alles kann funktionieren. Als bestes Motiv gibt es sicher viel zwischen Selbstverwirklichung, das Sagen haben wollen und Ehrgeiz. Das ist alles sicherlich förderlich, auch wenn diese Ziele vielleicht nicht erreicht werden. Man muss es eben unbedingt wollen.
 

Eine der wichtigsten Fragen bei der Gründung eines Startup ist die Finanzierung. Wo bekomme ich am besten Geld her?

Im Idealfall fängt man erstmal mit family, friends and fools an, nutzt also als Startkapital eigenes Geld und leiht sich den Rest bei Familie, Freunden und jedem anderen, der bereit dazu ist, zusammen.

“Wenn du zu fairen Bedingungen an Geld kommst, nimm es.”

Danach würde ich Business Angels in Betracht ziehen, staatliche Frühphasen-Fonds ansehen und an Startup-Wettbewerben teilnehmen, wenn möglich. Crowdfunding ist auch eine sehr gute Möglichkeit, wenn man ein Produkt hat, bei dem man den Werbeeffekt nutzen kann. VCs, also Venture Capital, ist nur eine Möglichkeit, wenn man bereits ein funktionierendes Produkt in der Hinterhand hat. Kredite würde ich außen vor lassen, weil Banken fast nie Startups finanzieren – meistens, weil sie das Internet-Konzept nicht verstehen. Lacht. Generell würde ich sagen: Wenn du zu fairen Bedingungen an Geld kommst, nimm es.
 

Ein Startup ist derzeit besonders im Gespräch: Deskwanted kooperierte mit Immobilienscout24, einer Tochter der Telekom, als Inkubator. Nun meldete das Startup Insolvenz an – angeblich, weil die vereinbarten Zahlungen durch Immobilienscout24 teilweise ausblieben. Die Darstellung des Deskwanted-Geschäftsführers kann hier nachgelesen werden. Wie schätzt du diesen Fall ein? Wie können sich junge Startups vor möglicher Weise negativen Folgen aus einer Kooperation mit einem Inkubator schützen?

Nunja, entweder ist da jemand sauer, weil etwas nicht so funktioniert hat wie gedacht, oder dieser Fall ist wirklich so abgelaufen. Die Wahrheit wird wahrscheinlich in der Mitte liegen. Es ist eben generell bei Inkubatoren so: Alles ist gut, wenn es gut läuft, und es gibt Ärger, wenn es schlecht läuft. Jedenfalls ist das nicht das erste mal, dass Gründer das Gefühl haben, es wird operativ zu stark eingegriffen. Man muss als Startup genau überlegen, was man tut. Um sich vor einem solchen oder ähnlichen Vorfall zu schützen, sollte man natürlich auf jeden Fall den Vertrag, den man mit einem Inkubator schreibt, verstehen und genau wissen, was er darf und was ich nicht darf. Vor der Vertragsunterzeichnung sollte man sich genau informieren und sich mit Erfahrungen anderer mit dem Inkubator aus einander setzen. Da wird es auch Negatives geben, aber gerade in der Startup-Szene kann man dann einfach die betreffenden Menschen anschreiben und mit ihnen über ihre Erfahrungen sprechen.
 

Neben einem Leck an Informationen: Was sind die drei größten Fehler, die Startups in der Gründungsphase begehen können?

  1. Die Umsetzung der Endvision an den Anfang stellen, sprich, zu viel wollen.
  2. Allein, ohne mit jemandem zu sprechen, der Ahnung hat, alles auf die Beine stellen wollen.
  3. Nicht schnell genug mit dem Endkunden arbeiten, also das Produkt testen.

 
Wie können es Startups schaffen, dauerhaft erfolgreich zu sein?

So pauschal lässt sich das nicht sagen. Es kommt auch sehr stark auf die Branche an. Aber man braucht immer einen guten Plan, was die nächsten, kleinen, realistischen Schritte sind. Um einen Zeitraum zu nennen: Von der konkreten Idee zum Test der Beta-Version des fertigen Produktes am Endkunden sollte es höchstens sechs Monate dauern. Damit setzt man sich im positiven Sinne auch selbst etwas unter Druck. Natürlich nützt dies nichts ohne die persönlichen Fähigkeiten, die ich eben bereits nannte.
 

Wie geht dein eigener Weg weiter, Manuel?
Ich will auf jeden Fall das nächste Startup gründen. Dafür habe ich für mich den idealen Weg gefunden: Ich verdiene Geld als Webentwickler und kann auf dieser Basis im Startup-Bereich weiterarbeiten. Startups beraten bzw. Startups helfen, werde ich weiterhin.
 
 

Manuel, vielen Dank für dieses spannende Interview! Wer sich einmal persönlich mit Manuel über seine hilfreichen Tipps unterhalten oder seine Startup-Beratung aus Leidenschaft in Anspruch nehmen möchte, kann ihn bei Twitter unter @DerMambo kontaktieren.

Das Interview wurde durchgeführt von Anne Grüner.


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