Google Glass: Fakten, Erfahrungen, Expertenmeinung

Google GlassGoogle Glass – das ist das derzeit bekannteste und heißeste Projekt des Weltkonzerns, das im kommenden Jahr frei verkäuflich sein soll. Seit 2012 kursieren ständig neue Informationen, Gerüchte und Bilder von der Augmented-Reality-Brille, die Computer- und Smartphone-Funktionen vor das Auge projizieren und freihändig nutzbar machen kann. Nicht nur, weil Fans und Kritiker der Glass sich seit mehr als einem Jahr immer aufs Neue mit Informationen und Gerüchten auseinander setzen und diese verifizieren müssen, sondern auch, weil es inzwischen eine wahre Flut an Informationen gibt und scheinbar jeder eine Meinung zum Thema hat, haben wir für Sie alles Wichtige zur Google Glass zusammen gestellt. Neben den technischen Daten der Brille, dem neuesten bestätigten Stand der Dinge und ausgewählten Erfahrungsberichten, fragen wir am Ende den Software Engineer Jens Altmann nach seiner fundierten Meinung.

Technische Eckdaten:

der Google Glass

Aufbau der Google Glass

CPU, RAM, Mikrofon und Projektor integriert16 GB interner Speicher, 12 GB nutzbar

5-Megapixel-Kamera

640 x 360 Pixel Display-Auflösung

WLAN und Bluetooth

Touchpad und Sprachsteuerung

Sound-Ausgabe durch Resonanz mit dem Knochen des Trägers

Diverse Sensoren (Kompass, Bewegung, Beschleunigung, Licht, …)

Android-basiertes Betriebssystem

1 Tag Akkuleistung bei mäßiger Beanspruchung

HTML5-Kompatibilität

API-Schnittstellen für die Programmierung von Apps

 

Kleine Glass-Chronologie

April 2012: Offizielle Vorstellung der Google Glass in diesem Video:

http://www.youtube.com/watch?v=9c6W4CCU9M4

Ein Internet-Hype um die Augmented-Reality-Technologie wird ausgelöst und bringt wilde Spekulationen mit sich.

Juni 2013: Nach lauter werdenden Bedenken vor allem von Datenschützern beteuert Google auf Google+, es werde standardmäßig keine Gesichtserkennung integriert werden.

 

Statement von Google zur Gesichtserkennung

Auf Google+ gibt Google ein Statement zur Gesichtserkennung ab

In den folgenden Monaten: Konkurrenz für die Glass. Das Unternehmen Recon Instruments hat auf der Entwicklerkonferenz I/O eine Augmented-Reality-Brille speziell für Extremsportler vorgestellt, die Recon Jet.

Der Australier Nathan Myers hatte sich laut PC World für eine Google Glass beworben, erhielt jedoch keine – und baute sich daher kurzer Hand selbst eine Alternative. Grundlage dafür war die Hardware eines Samsung Smartphones. Seine “Flass”-Brille läuft mit Linux oder anderen Betriebssystemen.

Der Programmierer Lance Nanek entwirft die Glass-App MedRef, die auf Gesichtserkennung basiert und medizinisches Personal in ihrem Berufsalltag unterstützen soll. Beim Anblick von Patienten sollen Ärzten und Schwestern automatisch Medikamentenpläne, Krankenakten usw. angezeigt werden, so dass keine Zeit durch das Nachschlagen in den Akten verloren geht.

April 2013: Der Android-Programmierer Jay Freeman, besser bekannt unter seinem Alias “Saurik”, hat laut Forbes die Glass erfolgreich gehackt. Der Jailbreak soll nur etwa zwei Stunden benötigt haben.

Die Netzgemeinde stürzt sich auf die zunehmende Anzahl an Erfahrungsberichten über die Glass, die von einem kleinen Kreis ausgewählter Entwickler und Experten getestet werden durfte. Beinah alle Urteile der so genannten “Explorer” fallen positiv aus. Präventiv verbietet Google die Weitergabe und den Verkauf der Glass und droht an, Brillen, die in die Hände unberechtigter Dritter geraten, zu sperren.

Seitdem häufen sich diverse Gerüchte – beinahe jede Woche will ein Informant, Experte oder Programmierer neue Erkenntnisse gewonnen haben. So ist die Rede von einer Facebook-App, von bisher nicht offiziell bestätigten Sensoren und einem automatischen Filter für Schimpfworte. SMS und Navigation soll auch mit dem iPhone möglich sein. Auch soll Google für den Vertrieb der Glass eigene Shops eröffnen, ähnlich den Apple Stores. Eines der neuesten Gerüchte: Die Glass soll bereits für 300 US-Dollar erhältlich sein.

Bisher sind bereits folgende Funktionen und Details bekannt geworden:

    • Telefonie und Video-Telefonie
  •  Aufnahme von Fotos und Videos
  •  Live-Streaming der Frontkamera
  •  Navigation, wenn Glass mit dem Smartphone verbunden ist
  •  Schreiben von SMS, wenn Glass mit dem Smartphone verbunden ist
  •  Anzeigen von Informationen (z.B. Informationen zu Geschäften, Sehenswürdigkeiten)
  •  Nutzung von Social Networks und Kommunikationsdiensten (z.B. Chats)
  •  Browsing, Darstellung von Webseiten auch mit HTML5
  •  Lautsprecher-Funktion, die auf Vibration und Resonanz mit dem Knochen des Trägers beruht
  •  Aktivierung erfolgt durch den Sprachbefehl “Ok, Glass!” und Druck auf den Berührungssensor

https://www.youtube.com/watch?v=V6Tsrg_EQMw&feature=player_detailpage

Erfahrungen mit der Google Glass

Im Netz finden sich diverse Erfahrungsberichte, die die Vor- und Nachteile der Glass behandeln und versuchen, ihre technische Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Eine sehr nützliche Zusammenstellung solcher Erfahrungsberichte findet sich auf Netzwelt.de. Die einzelnen Auswertungen der Explorer ergeben ein recht einhelliges Gesamtbild:

    • Die Sprachsteuerung hat noch einige Defizite, wie Heise berichtete: “Der Browser ist eine witzige Spielerei – wenn man die Glass-Brille dazu bekommt, die gewünschte Website aufzurufen. Eine Möglichkeit zur URL-Eingabe gibt es mangels Tastatur nämlich nicht; man muss über eine Google-Sprachsuche zur Website finden. Auf heise online kamen wir nicht auf direktem Weg (hier hat die Glass “Hi C online” verstanden), sondern nur über die Suche nach “c’t magazine”.”

 

    • Wie in diversen Videos, die mit der Glass aufgenommen wurden, zu sehen ist, ruckelt das Bild während Aufnahme und Widergabe stellenweise

 

    • Überein kommen die meisten Explorer darin, dass die Qualität der mit der Glass aufgenommenen Fotos und Videos gut ist, solange ausreichend Licht vorhanden ist

 

  • Laut Netzwelt.de fällt die Qualität der Tonausgabe nicht sonderlich gut aus: “Journalist Tim Stevens fokussierte sich in seinen ersten Eindrücken vor allem auf den Lautsprecher von Glass. Dieser liegt hinter dem rechten Ohr und erzeugt Ton durch die Vibration auf dem Knochen. Er sei jedoch recht leise und speziell in Menschenmengen kaum zu hören. Stevens zufolge lässt sich den Ansagen von Glass am besten folgen, wenn der Nutzer Ohrstöpsel trägt.”

 

Einen Glass-Test der etwas anderen Art hat der Software Engineer Jens Altmann durchgeführt. Mit dem funktionsuntüchtigen Duplikat einer Google Glass lief er vor und während der M3 Campixx über das Konferenzgelände – und sammelte eine Vielzahl an Eindrücken, welche Auswirkungen das Tragen der Augmented-Reality-Brille auf das soziale Umfeld hat. So beschreibt Altmann unter anderem:

“Sobald mich jemand darauf ansprach offenbarte ich, genauso wie Hannes, direkt, dass es sich um ein Imitat handelt. Ich kann in dem Punkt seine Beobachtung bestätigen, dass fast alle enttäuscht waren, aber dann trotzdem das Gespräch weitergeführt haben. Es haben mich jedoch sehr viel weniger angesprochen als erwartet. Nach der Einführung hatte ich dies bereits erwartet. Viele sind Aktiv der Brille ausgewichen und haben sich erst nach der “Gefahr” umgedreht und geredet.”

Schlussendlich zieht Altmann das Fazit, dass durchaus Aufklärungsbedarf herrscht. Doch sobald dieser gegeben sei, sei auch die Angst vor permanenter Überwachung und dem unbekannten Technik-Neuling vergessen.

 

Würden Sie die Google Glass kaufen?

Jens Altmann

Jens Altmann

Diese Frage stellten wir Jens Altmann, der nach seinem spannenden Experiment wohl einen ganz besonders geschärften Blick für die Vor- und Nachteile der Glass besitzt. Exklusiv für Newsider gab er eine Antwort:

 

 

Die Google Glass stellen in meinen Augen eine interessante technische Neuerung dar. Ich bezweifle jedoch, dass diese sich in der Masse durchsetzen wird. Ähnlich wie die 3D Drucker wird die Brille einen Nerd Touch haben.
Von der Funktionsweise her ist es sehr interssant, weil die Brille direkt mit dem eigenen Android Handy gekoppelt ist und sich dadurch Einsatzfelder ergeben, für die man sonst beide Hände benötigt hat – eine in der das Handy gehalten wurde und die andere um den Touchscreen zu bedienen.
Dieses fällt weg und ergibt durch die Kombination von Android Technik, freie Software und einer Brille eine Vielfalt an Möglichkeiten, die man aktuell vermutlich noch gar nicht abbilden oder sich vorstellen kann.
Auch wenn ich nicht glaube, dass die Googls Glass im Mainstream ankommen wird, jedoch würde ich sie mir direkt holen falls der Einführungspreis wirklich nur 300 Dollar betragen sollte.
Nicht um sie im Alltag zu verwenden, sondern um in bestimmten Situation auf die Erweiterungen der Wahrnehmung durch die Technik zurückgreifen zu können. Man stelle sich zum Beispiel Geocaching mit Glasses vor, oder Sightseeing in einer fremden Stadt. Erfahrungen, die durch eine Technik wie sie in der Google Glass zu finden sind um ein Vielfaches verstärkt werden.

Wir bedanken uns bei Jens Altmann für seine Einschätzung! Was ist Ihre Sicht? Würden Sie die Google Glass kaufen?


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