Einfluss des Nutzerverhaltens auf das Ranking bei Google

Die Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen wie Google ist ein diffiziles Arbeitsfeld, welches sowohl technisches Know-How als auch Kreativität im Umgang mit Methoden und die ständige Offenheit für Neues erfordert. Mit diesen Attributen leisten SEOs einiges.
Doch ist das Nutzerverhalten ein Aspekt, welcher bisher oft ins Hintertreffen gerät – zu Unrecht, wie immer deutlicher wird.

SEO: Nicht nicht Links, sondern auch User-IntentsJe weiter die technischen Entwicklungen im Webdesign und in der Suchmaschinenoptimierung voran geschritten sind, desto weniger, so scheint es, stand der Nutzer im Zentrum der Bemühungen. Doch wer liest Ihre Texte, sieht Ihre Bilder und Videos? Wer folgt Ihnen per RSS, in sozialen Netzwerken oder zeigt, dass ihm Ihr Content gefällt? Für wen sind Suchmaschinen gemacht? Gerade Google ist nicht erst seit dem Panda-Update bestrebt, Daten über das Nutzerverhalten zu sammeln und sie in seinen Algorithmus einfließen zu lassen. Nutzer akzeptieren ein Webangebot oder lehnen es ab, ob diese nun für die Suchmaschine optimiert wurde oder nicht, ist dabei unerheblich.

Es wurde bereits bestätigt, dass Klick- und Absprungraten zu den Rankingfaktoren gehören, nun ist eine zunehmende Personalisierung im Gange, welche sich ebenfalls auf das Ranking von Webseiten auswirken wird.

Klickt eine Vielzahl an Nutzern bei einer bestimmten Suchanfrage auf beispielsweise das fünfte Suchergebnis (statt auf eines der ersten drei, wie meist üblich), kann dies Google signalisieren, dass Suchergebnis Nr. 5 für die Suchanfrage relevanter sei und somit im Ranking steigen müsste. Ebenso gehen Klick- und Absprungraten als Teilaspekte ins Ranking ein, wenngleich diese beiden Faktoren allein wohl nicht den Auf- oder Abstieg von Webseiten im Ranking bestimmen könnten. So ist es möglich, dass eine Seite mit einer sehr hohen Absprungrate oder ein Werbemittel mit sehr geringer Klickzahl die Aufmerksamkeit Googles erregt – im negativen Sinne. Durch die fortschreitende Personalisierung des Suchmaschinen-Dienstes werden darüber hinaus verschiedenen Nutzern verschiedene Suchergebnisse bzw. verschiedene Reihenfolgen angezeigt, je nach Standort der IP, bisherigen Suchanfragen oder Profil.

Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Aspekte des Nutzerverhaltens, die sich auf die Suchmaschinenoptimierung auswirken (sollten), um sowohl dem Such-Algorithmus als auch dem Nutzer gerecht zu werden.

 

1. Die Absprungrate

Die Absprungrate, engl. Bounce Rate, gibt an, wie viele der Nutzer, welche über Google auf z.B. eine Landingpage oder Unterseite gelangten, von dieser direkt wieder zu Google oder zu einer anderen Webseite wechseln. Ist die Absprungrate einer (Unter-)Seite hoch, bedeutet dies, dass viele Nutzer von dieser Seite schnell wieder “abspringen”. Dabei muss eine hohe Absprungrate nicht per se negativ sein, sondern ihre Bewertung kommt ganz darauf an, wie der Nutzer nach dem Absprung von Ihrer Seite vorgeht:

Szenario 1: Best Case

Der Nutzer geht von Ihrer Seite zurück zu Google, klickt dort auf ein anderes Suchergebnis und kehrt anschließend zu Ihrer Seite zurück. Dieser Fall ist der Best Case, weil, wenn sich eine Vielzahl von Nutzern so verhält, Ihre Seite im Laufe der Zeit zu einer Autorität werden kann. Nutzer vertrauen den Informationen auf Ihrer Seite so sehr, dass sie Angaben auf anderen Seiten mit Ihren abgleichen.

Szenario 2: Positiv

Der Nutzer geht von Ihrer Seite zurück zu Google und startet eine neue Such-Session mit Begriffen, die nicht mit der vorherigen Suchanfrage verwandt sind. Er hat also auf Ihrer Seite alle nötigen Informationen gefunden, um seine Frage(n) zu beantworten, und kann nun mit anderen Themen fortfahren. Dieses Szenario wird auch durch eine längere Verweildauer auf Ihrer Seite gekennzeichnet (siehe unten).

Szenario 3: Negativ

Der Nutzer geht von Ihrer Seite zurück zu Google und startet eine neue Such-Session mit verwandten/ synonymen oder spezifischeren Begriffen. Auch hier ist die Verweildauer sehr kurz. Offensichtlich hat Ihre Seite nicht bzw. nicht in ausreichendem Maße die gesuchten Informationen geliefert, weshalb der Nutzer sich gezwungen sah, seine Suchanfrage anzupassen. Hier können Sie z.B. durch ausführlichere, detailliertere Texte Abhilfe schaffen.

Szenario 4: Worst Case

Der Nutzer geht von Ihrer Seite zurück zu Google und klickt dort ein anderes Suchergebnis an (welches nicht auf Ihre Domain verweist). Der prozentuale Anteil von Nutzern, die so vorgehen, wird in der Return-to-SERP-Rate ausgedrückt. Vermutlich war der Nutzer nicht zufrieden mit Ihrem Content oder wurde durch andere Aspekte abgeschreckt. Registrieren Sie eine hohe Return-to-SERP-Rate, sollten Sie Ihr Webangebot überprüfen.

2. Die Klickrate

Im Englischen Click-Through-Rate (CTR) genannt, gibt die Klickate die durchschnittliche Anzahl von Klicks auf ein Suchergebnis in den Suchergebnissen. Im Bereich der Online-Werbung bezeichnet die CTR auch die Rate der Klicks auf digitale Werbemittel, diese Definition ist hier jedoch nicht gemeint.

Auch die Klickrate wurde offiziell als Rankingfaktor bestätigt, ist jedoch vermutlich kein Aspekt, welcher solche Gewichtung hätte, dass er allein über den Auf- oder Abstieg von Webseiten entscheiden könnte. Eine besonders hohe Klickrate auf beispielsweise Suchergebnis Nr. 5, obwohl in den meisten Fällen die Suchergebnisse an den Plätzen 1 bis 3 den höchsten Anteil der Aufmerksamkeit erzielen, zeigt Google, dass Nr. 5 besonders hochwertig oder nützlich sein könnte und somit vielleicht höher ranken sollte.

Übrigens kann die Klickrate durch die so genannten RichSnippets erhöht werden. Solche mit Zusatzinformationen angereicherten Vorschauen von Suchergebnissen können z.B. Bilder enthalten, die Anzahl und den Durchschnitt von Kundenbewertungen oder erste Rezensionen. Es ist erwiesen, dass Nutzer eher dazu tendieren, auf Suchergebnisse mit RichSnippets zu klicken.

3. Seitenaufrufe

Ruft ein Nutzer einzelne Seiten eines Webangebotes auf, ist dies jeweils ein Seitenaufruf (eine Page Impression/ ein Page View). Dabei ist unerheblich, ob er mit der gleichen IP drei Mal am Tag die gleiche Seite aufruft – es sind in diesem Fall drei Seitenaufrufe. Seitenaufrufe sind ein rein quantitativer Wert und werden in der Aufrufstatistik erfasst. Deutlich hiervon abzugrenzen sind die Unique Visits, welche angeben, wie viele verschiedene IP-Adressen in einem abgesteckten Zeitraum die Seite besucht haben.

Wenn die gleichen Nutzer immer wieder zu Ihrer Seite zurück kehren, ist dies ein positives Signal an Sie – offenbar ist Ihr Content dauerhaft nützlich und interessant. Vielleicht besteht dennoch eine Möglichkeit zur Optimierung, indem Sie Call-to-Action-Buttons einbinden, um höher zu konvertieren.

4. Verweildauer

Wie der Name schon sagt, gibt die Verweildauer an, wie lange die Nutzer auf der eigenen Webseite (inklusive Unterseiten) bleiben. Dabei kann auch unterschieden werden, ob die Seite tatsächlich betrachtet wird, oder ob sie nur im Hintergrund (z.B. in einem anderen Tab) geöffnet ist. Anhand von Bewegungen der Maus kann darüber hinaus getrackt werden, ob der Nutzer aktiv ist oder nicht. Google Analytics kann die Verweildauer messen und den Durchschnittswert angeben. Mit nur wenigen Ausnahmen (z.B. Preisvergleich-Seiten) kann man behaupten, dass es umso besser ist, je länger die Verweildauer ist. Gerade bei (Unter-)Seiten mit vielen Bildern oder Videos sollte die Verweildauer entsprechend länger sein. Ist die Verweildauer auf einer Landingpage hingegen kurz, konvertiert sie jedoch gut, ist dies ebenfalls ein gutes Zeichen.

5. Usability

Unter die Usability, auch Bedien- oder Nutzerfreundlichkeit fällt prinzipiell alles, was Webseiten für den Nutzer leicht und intuitiv bedienbar macht. Eine gute Usability vermindert die Absprungrate und macht Nutzer zufriedener, so dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Ihrer Webseite zurück kommen. Unter anderem sollten Navigation und Seitenstruktur übersichtlich sein, das Design klar in Form und Farbe, Bilder sollten nicht als Navigationselemente verwendet werden und auch das Liken und Kommentieren sollte so einfach wie möglich sein. Falls Sie Call-to-Action-Buttons einbinden möchten, achten Sie darauf, dass sich diese above the fold (also im Bereich der Webseite, der ohne Scrollen zu müssen sichtbar ist) befinden, und folgen Sie Googles Ratschlag, nur wenig Werbung auf Ihrer Seite einzubinden. Ebenfalls ein Usability-Faktor ist es, wenn Sie auf Quellen verlinken, auf die Sie sich in Ihrem Content beziehen. Schließlich sollten Seitenladegeschwindigkeit und PageSpeed dergestalt optimieren, dass diese möglichst gering sind.

6. Onpage-Faktoren

Optimierungen auf der eigenen Webseite dienen neben Suchmaschinenoptimierungsfaktoren auch dazu, dem Nutzer die Seite übersichtlich und ansprechend zu präsentieren und ihn zum Lesen oder zur Interaktion zu animieren. Zudem wird auch hier die Absprungrate reduziert und die Usability steigt parallel dazu.

Beim Aufrufen Ihrer Seite sieht der Nutzer vermutlich zuerst den Titel. Dieser muss also seine Aufmerksamkeit erregen und ihn zum Lesen animieren, so dass auch die Verweildauer steigt. Bestenfalls liest der Nutzer den gesamten Text, der hierfür auch eine äußere Struktur aufweisen muss (Absätze, Zeilenumbrüche, Unterüberschriften) und durch Bilder, Videos oder Ähnliches visuell unterstützt werden sollte. Natürlich ist es ebenso wichtig, dass der Inhalt Ihrer Texte fachlich/ inhaltlich wie sprachlich einwandfrei sind.

Eine Zusammenfassung am Ende des Textes hilft Ihrem Nutzer dabei, für sich die wichtigsten Informationen mitzunehmen. Im Idealfall verbleibt er anschließend auf Ihrer Seite und liest weitere Beiträge, auf die Sie intern mit interessanten Ankertexten verlinkt haben.

Auf der technischen Seite sind zwei weitere Onpage-Maßnahmen sinnvoll: Verweiste Seiten, die z.B. durch die Änderung der Linkstruktur oder durch fehlerhafte Links zustande gekommen sind, sollten möglichst schnell entfernt werden. Sie können auch entstehen, indem Dritte auf Sie verlinken und sich dabei vertippen, so dass der Link auf eine leere Seite führt.

Bei Tippfehlern im Link kann es auch möglich sein, dass dem Nutzer eine 404-Fehlerseite (Page Not Found Error) angezeigt wird. Sie sollten überprüfen, ob Links auf Ihrer eigenen oder dritten Webseiten auf 404-Seiten führen und die Fehler entsprechend beheben, um die Usability zu verbessern.


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